Portfoliomanager und professionelle Investoren erliegen allzu häufig weit verbreiteten Gewohnheiten und Trugschlüssen, kritisiert Frank Lipowski, Manager des Flossbach von Storch Bond Opportunities, im Interview mit FONDS professionell. Insbesondere Profi-Anleger richteten den Blick stur darauf, dass am Jahresende eine positive Zahl auf dem Papier stehe. "Einige steigen auf der Bonitätsleiter deshalb sogar herunter, um die Rendite hoch zu halten", führt Lipowski aus. "Unserer Meinung nach sollte man die Anlagestrategie nicht nach Kalendertagen auslegen."

Diese Denke habe etwa den Ausverkauf im Oktober 2018 befeuert, als viele Anleger ihre Gewinne retten oder Verluste eindämmen wollten. "Dabei hatte sich fundamental oder an der Bonität der Emittenten rein gar nichts geändert." Solche Phasen der Volatilität eröffnen antizyklischen Investoren – zu denen Lipowski sich selbst zählt – wiederum Chancen. "Prozyklisches Investieren ist im Rentenbereich der totale Killer."

Großer Instrumentenkasten
Auch das Argument, dass aufgrund des Niedrigzinsumfelds ein Investment in Anleihen nicht mehr lohnt, lässt Lipowski nicht gelten. "Der Instrumentenkasten, bei dem ich mich bedienen kann, ist sehr groß", so der Manager des rund 1,6 Milliarden Euro schweren Flossbach-Fonds. "Gerade ein globaler, flexibler Ansatz wie unserer eröffnet viele Möglichkeiten. Mir stehen übrigens sogar mehr Instrumente zur Verfügung als meinen Aktienkollegen."


Das vollständige Interview mit Flossbach-von-Storch-Manager Frank Lipowski lesen Sie in der neuen Heftausgabe 3/2019 von FONDS professionell. Angemeldete KLUB-Mitglieder können den Beitrag auch hier im E-Magazin lesen.


So habe er nicht nur die Wahl zwischen verschiedenen Emittenten, sondern auch Laufzeiten, Schuldnerrangfolgen oder Währungen. Er könne die Duration rasch hoch- und runterfahren sowie diese zwischen den Zinsstrukturkurven anderer Währungen hin- und herschieben. "Für wirklich aktive Anleger sind Anleihen längst nicht so langweilig, wie das Vorurteil besagt", folgert Lipowski.

Ein Problem für 100 Jahre?
Vor allem seien die Kursbewegungen viel dominierender als die eigentliche jährliche Rendite. So habe er für den flexiblen Bondfonds Anfang des Jahres eine 100-jährige Anleihe des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen gekauft. "Manch einer mag sich fragen: Warum sollte ich mir ein Problem für 100 Jahre an den Hals binden?", sagt Lipowski. "Wenn aber das Zinsniveau wie im Frühjahr und Sommer deutlich fällt, ziehen die Kurse von lang laufenden Anleihen besonders stark an. Solche Titel können in bestimmten Marktphasen eine Versicherung gegen sinkende Zinsen sein." (ert)