Viele Fonds verzeichneten im vergangenen Jahr dank der Erholung nach dem Corona-Crash eine beachtliche Wertentwicklung. Der Mischfonds FvS Multiple Opportunities, Flaggschiff des Kölner Asset Managers Flossbach von Storch (FvS), gehörte nicht dazu. Er beendete das Jahr mit gerade einmal vier Prozent Plus – und verlor in der Folge die Bestnote im Fondsranking der Ratingagentur Scope. "Im laufenden Jahr liegt der Fonds mittlerweile bei über fünf Prozent. Das ist, nach verhaltenem Start, sehr ordentlich", verteidigt sich FvS-Co-Gründer Bert Flossbach im Interview mit dem "Handelsblatt". Zugleich betont er, dass der Ansatz seines Hauses ein langfristiger sei, man Momentaufnahmen also nicht zu viel Bedeutung beimessen sollte: "Wenn es kracht an der Börse, wollen wir deutlich besser abschneiden als der Markt. Und wenn der Markt dann nach oben läuft, wollen wir davon profitieren, wohl wissend, dass wir ihn in Rallyphasen höchstwahrscheinlich nicht schlagen können," fasst der versierte Portfoliomanager seine Philosophie zusammen.

Zur Absicherung setzt Flossbach seit jeher stark auf Gold. Derzeit hat das Edelmetall im Multiple Opportunities ein Gewicht von rund zehn Prozent. Die vergleichsweise hohe Goldquote trug allerdings maßgeblich zur schwachen Performance des Fonds bei, denn der Preis des seltenen Bodenschatzes ging seit dem vergangenen Sommer empfindlich zurück. Für Flossbach ist das kein Grund, seine Asset Allocation grundlegend zu überdenken. Ein Großteil des Gold-Anteils sei strategischer Natur, erklärt er – "unsere Versicherung gegen die Risiken des Finanz- und Geldsystems." Der Vermögensprofi betont: "An der werden wir nicht rütteln."

Fünf Prozent pro Jahr als Ziel
Nachdem der Kölner Asset Manager im vergangenen Jahr noch Spitzenreiter unter den Asset-Management-Boutiquen war, hat er es zuletzt im Scope-Ranking nicht einmal mehr unter die Top Ten geschafft. Das lag vor allem daran, dass zahlreiche FvS-Fonds in defensive Aktien investieren, die im vergangenen Jahr eher schlecht abschnitten. Auch auf der Aktienseite will Flossbach aber an seinem Ansatz festhalten, erklärt er im "Handelsblatt"-Gespräch. "Wir verzichten auf die eher anfälligen Unternehmen; Banken etwa oder Fluggesellschaften, also jene Unternehmen, die zuletzt zu den großen Gewinnern gehört haben. Ein anfälliges Geschäftsmodell bleibt nun einmal ein anfälliges Geschäftsmodell, wenn sich nichts Grundlegendes bei dem Unternehmen verändert. In der nächsten Krise treten die altbekannten Probleme dann schnell wieder zutage."

Von angesagten Trends hält sich der Anlageprofi lieber fern. Er setzt lieber auf langfristig stabile Aktien, die in seinen Portfolios quasi als Anleiheersatz dienen: Titel wie Nestlé, Unilever und Reckitt Benckiser. In einer Welt ohne Zinsen bleiben diese Unternehmen attraktiv, ist er überzeugt. Jedenfalls deutlich attraktiver als Festverzinsliche: "Für die Performance sind in der heutigen Welt zuallererst Aktien da. Auch wenn die zuvor genannten, sehr stabilen Titel keine Highflyer sind, ist die Kalkulation doch recht einfach: Rund drei Prozent Dividendenrendite, dazu langfristig ein moderater Kursgewinn von vielleicht zwei Prozent – macht insgesamt fünf Prozent Ertrag pro Jahr. Da werden Sie am Anleihemarkt lange suchen müssen."

Am Tech-Sektor kommt keiner vorbei
Flossbach investiert zwar konservativ. Das bedeutet aber nicht, dass er die Renditebringer der vergangenen Monate komplett außen vor lassen würde. Technologieaktien, die zuletzt sehr gut gelaufen sind, finden sich ebenfalls im Portfolio des Multiple Opportunities. "Alphabet ist unsere größte Position", erklärt Flossbach im Interview mit der Düsseldorfer Wirtschaftszeitung. "Auch Facebook halten wir. Oder Pinterest, dessen jährlicher Umsatz um 40 Prozent wächst." Daneben setzt der Vermögensprofi auf Zahlungsdienstleister sowie auf den Medizinsektor, etwa in Form von Johnson & Johnson und Novo Nordisk. (fp)