Die Corona-Krise hat das Anlageverhalten der Deutschen einschneidend verändert – noch nie haben sich Privatanleger hierzulande so sehr für Aktien interessiert. Aber ist das wirklich die Trendwende? Laut Julian Marx, Analyst beim renommierten Vermögensverwalter Flossbach von Storch, tun sich die Deutschen immer noch schwer mit Aktien: "Noch führen die Tiefstzinsen zu keinem grundsätzlich verändertem Anlageverhalten", stellt der Finanzprofi fest. 

Immerhin investierten die Deutschen im vergangenen Jahr so viel Geld in Aktien wie noch nie in diesem Jahrtausend: Nach Angaben der Deutschen Bundesbank steckten die Bundesbürger rund 40 Milliarden Euro in Einzeltitel und weitere knapp 40,9 Milliarden Euro in Investmentfonds. Dennoch ist der Anteil von Aktienanlagen in der deutschen Investment-Landschaft nach wie vor relativ gering. Nur 10,2 Prozent ihres neu hinzuverdienten Geldvermögens steckten die Deutschen im vergangenen Jahr in Aktien, gemeinsam mit den Investmentfondsanteilen liegt der Wert aber immerhin bei 20,6 Prozent.

Verschenktes Vermögen
Der überwiegende Teil des neu angelegten Vermögens – mehr als 80 Prozent – entfällt weiterhin auf Bargeld und Bankeinlagen. Was ihr Anlageverhalten angeht, unterscheiden sich junge Deutsche damit kaum von ihren Eltern und Großeltern. Aus Vorsicht oder Liquiditätsgründen Geld bei der Bank zu parken, sei keine gute Idee, bemängelt Finanzexperte Marx. 

Denn die risikoscheue Art der Geldanlage koste die Bundesbürger einiges. Hätten sie bereits vor zehn Jahren 400 Milliarden Euro – weniger als ein Viertel des damaligen Bargeld- und Einlagenbestands – in einen diversifizierten Aktienkorb investiert, wären sie Ende vergangenen Jahres um 450 Milliarden Euro reicher gewesen. "Eine echte und neue deutsche Aktienkultur ist wohl trotz jahrelanger Null- und Minuszinsen noch nicht entstanden", schreibt Marx. (fp)