Fixed-Income-Experte: So tickt der kommende Fed-Chef
Unter Kevin Warsh könnte die US-Notenbank zwar bei den Zinsen lockerer agieren, aber dafür bei Anleihenkäufen zurückhaltender sein. Der Markt müsse sich damit wohl ein Stück weit vom "Fed-Put" verabschieden, so Bastian Freitag von Rothschild & Co.
Noch steht die Bestätigung durch den US-Senat aus, doch die Wahl von Kevin Warsh zum nächsten Vorsitzenden der US-Notenbank gilt als so gut wie sicher. Mit ihm käme weder ein klassischer "Falke" noch eine "Taube" an die Spitze der Fed, sagt Bastian Freitag, Leiter Fixed Income bei Rothschild & Co Wealth Management Deutschland. Warsh ist seiner Meinung nach vor allem ein struktureller Reformer. "Die größte Veränderung läge nicht im Leitzins, sondern in der Architektur der Geldpolitik", so Freitag.
Geldpolitische Struktur im Fokus
Warsh denke weniger in kurzfristigen Zinssignalen, sondern stärker in Fragen der Bilanzstruktur, der Kommunikation und der institutionellen Ausrichtung der Notenbank. Nicht die nächste Zinssitzung, sondern das grundsätzliche Design der Geldpolitik dürfte daher im Mittelpunkt stehen, glaubt der Zinsexperte.
"Unter Kevin Warsh erwarten wir grundsätzlich eine eher lockere Zinspolitik – vorausgesetzt, Produktivität und Angebotsdynamik dämpfen den Inflationsdruck", erklärt Freitag. Warsh argumentiere seit Jahren, dass Wachstum und Preisstabilität stärker von strukturellen Faktoren als von permanenten geldpolitischen Eingriffen abhängen. Gleichzeitig lehne er eine dauerhaft expansive Bilanzpolitik ab. Quantitative Lockerung (QE) verstehe er als Kriseninstrument und nicht als regulären Bestandteil des geldpolitischen Instrumentariums. Niedrigere Leitzinsen seien aus seiner Sicht nur dann konsistent, wenn die Bilanz der Notenbank kleiner, kürzer laufend und marktnäher organisiert ist. "Warshs Logik lautet vereinfacht: Niedrigere Zinsen setzen eine kleinere Bilanz voraus", so Freitag.
Die tiefgreifendste Verschiebung erwartet er daher in der Bilanzpolitik. Warsh strebe eine kleinere Fed-Bilanz an, mit stärkerem Fokus auf kurzlaufenden Staatsanleihen und einem schrittweisen Abbau der Bestände an hypothekenbesicherten Wertpapieren (MBS). Ziel sei eher ein klar begrenzter Einsatz von QE auf echte Krisensituationen. Allerdings weise das US-Bankensystem einen strukturell erhöhten Reservebedarf auf, so Freitag. Frühere Spannungen an den Geldmärkten hätten gezeigt, wie sensibel das System auf sinkende Liquidität reagiere. "Wir erwarten daher keine abrupte quantitative Straffung, sondern eine graduelle und vorsichtige Anpassung", betont Freitag.
Konsequenzen für die Kapitalmärkte
Für die Kapitalmärkte könnte dieser Kurs dennoch spürbare Auswirkungen haben: Sollte die Notenbank ihre Bestände an Staatsanleihen weiter reduzieren, dürfte die Laufzeitprämie steigen und die Zinsstrukturkurve tendenziell steiler werden, so der Anleihenexperte. Und: Der implizite "Fed Put" – also die Erwartung schneller geldpolitischer Unterstützung bei Marktturbulenzen – würde geschwächt. Auch die Volatilität an Finanzierungs- und Geldmärkten könnte zunehmen, weil ein stabilisierender Akteur an Gewicht verlieren würde. Insgesamt, glaubt Freitag, könnte die Eigenpreisbildung der Märkte wieder stärker in den Vordergrund treten. (jh)















