Wiederholt haben Experten in den vergangenen zwei Jahren darauf hingewiesen, dass die Corona-Pandemie die wirtschaftliche Stellung von Frauen überproportional angreift: Frauen, die schon davor die Hauptleistung bei Kinderbetreuung, Pflege und Haushalt erbracht hatten, mussten diese Tätigkeiten ausweiten, nachdem das externe Betreuungsangebot wegfiel (oder immer noch eingeschränkt ist). Das bringt die Gefahr mit sich, dass bestehende Ungleichheiten verstärkt werden und dass Strukturen wie die – vorwiegend weibliche – Notwendigkeit zur Teilzeitarbeit einzementiert werden.  

Eine neue Studie des Institutes Marketmind im Auftrag des Bankenverbands und der Bawag bietet ebenfalls Hinweise, dass Frauen im Umfeld der Krise deutlich pessimistischer gestimmt sind. 29 Prozent sagen, sie haben mehr finanzielle Sorgen als vor der Pandemie, während es bei den Männern 25 Prozent sind. Dementsprechend sagen derzeit deutlich mehr Frauen, sie hinterfragen ihre Ausgaben (40 Prozent versus 30 bei den Männern). Während 45 Prozent der männlichen Befragten optimistisch an das Pensionsalter blicken, sind das mit 36 Prozent der weiblichen Befragten sehr viel weniger. Und ihre Bereitschaft, Geld mit Risiko anzulegen ist ebenfalls mit der Pandemie viel deutlicher gesunken: 29 Prozent der Frauen sprechen von weniger Risikobereitschaft, versus 23 Prozent bei den Männern.

Sorgen um Zukunftsvorsorge
Diese gestiegene Risikoscheu ist mehrfach alarmierend: nämlich erstens, weil es bekanntlich seit Jahren für Anlagen mit geringem Risiko keine Rendite gibt – somit die Zukunftsvorsorge von Anlegerinnen angesichts ihrer stärker sinkender Risikotragfähigkeit mehr der Inflation preisgegeben. Und zweitens, weil Frauen ohnehin schon deutlich weniger anlegen: Das zeigt ganz neu eine Studie von Erste Bank, S-Versicherung und Wiener Städtische wonach Frauen für Gesundheit und Pension nur 173 Euro monatlich zur Seite legen – eklatant weniger als die Männer mit 277 Euro.

Die eingangs zitierte Marketmind/Bankenverbandsstudie belegt nach Ansicht der Verantwortlichen, dass Finanzbildung zentral ist, um das Problem in Angriff zu nehmen. Frauen mit höherem Bildungsgrad würden sich häufiger für Finanzthemen interessieren und ihre Finanzentscheidungen autonomer treffen. 50 Prozent der Frauen mit Uniabschluss entscheiden bei Finanzthemen selbständig während es nur 39 Prozent bei Umfrageteilnehmerinnen ohne Matura sind.

Verpflichtende Finanzbildung in der Unterstufe
Finanzbildung müsse bereits ab der ersten Unterstufenklasse fixer Bestandteil im Unterricht sein, fordert Gerald Resch, Generalsekretär des Bankenverbands. Es sei nicht unbedingt ein eigenes Unterrichtsfach nötig. Aber es dürfe nicht so sein, dass sich junge Menschen das erste Mal vertieft mit Finanzen beschäftigen, wenn sie einen Kredit aufnehmen. Der Bankenverband setze sich daher im Rahmen von spielerischen Initiativen wie "Schulbanker" oder "European Money Quiz" für die Finanzbildung ein. Eine spezifische Ansprache von Frauen gebe es aber nicht, man wolle nicht das Trennende in den Vordergrund stellen, heißt es beim Bankenverband, der das Thema Gender-Diversity 2021 und 2022 zum Schwerpunkt erkoren hat.

Auch gibt es trotz der deutlichen und jahrelang bekannten Gender-Unterschiede in der Finanzvorsorge keine Schulungsinitiativen für den eigenen Bankvertrieb zu spezifischen Bedürfnissen von weiblichen Kunden in der Finanzberatung. Dabei gebe es Themen genug, die hier notwendigerweise aufgegriffen werden müssten: So ist laut Statistik Austria die mittlere Alterspensionen der Frauen um haarsträubende 49,2 Prozent niedriger als jene der Männer.

Bisher keine Beraterschulung
Es gebe keine spezielle Schulungsinitiative für Bankberater in denen gezielt relevante Themen für die Beratung von Kundinnen vermittelt werden, hieß es. Die Produkte, die empfohlen werden, seien schließlich neutral und für alle zutreffend. Probleme wie eine klaffende Pensionslücke sei bei beiden Geschlechtern vorhanden, sagte dazu Enver Sirucic, CFO der Bawa Group auf Nachfrage. Man greife diesen Aspekt aber auf, um zu überlegen, bei der Beratung auch in diese Richtung zu gehen. (eml)