Die Covid-19-Pandemie hat an den Märkten einen Crash ausgelöst, der seinesgleichen sucht. Seit Mitte Februar haben Wertpapiere weltweit zwischenzeitlich rund 20 bis 30 Prozent an Wert verloren. Anlageexperten gehen vor diesem Hintergrund davon aus, dass unethisches Verhalten in Finanzhäusern zunehmen könnte. Das CFA Institute hat mehr als 13.000 Verbandsmitglieder nach den möglichen Folgen der Coronakrise befragt, davon 258 aus Deutschland. Fast die Hälfte der deutschen Umfrageteilnehmer befürchtet durch die Marktverwerfungen einen Sittenverfall in der Finanzbranche.
 
"Wenn die Investmentbranche ethische Standards, auf die sie sich in Nicht-Krisenzeiten verpflichtet hat, nun relativiert oder gar aussetzt, dann wäre dies ein fatales Signal", sagt Susan Spinner, Geschäftsführende Vorständin der CFA Society Germany. Die Mitglieder des CFA Institute, die sich für ethische und professionelle Standards in der Finanzindustrie engagieren, seien der Meinung, dass aufsichtsrechtliche Pflichten und Verhaltensregeln nicht als Reaktion auf die Krise gelockert werden sollten. "Sparer und Anleger, die Finanzdienstleistungen nachfragen, müssen Vertrauen in den Anbieter haben. Dieses Vertrauen speist sich aus der Kompetenz und Ehrlichkeit des Anbieters", sagt Spinner.
 
Insolvenzen in Sicht
Fast jeder zweite deutsche Umfrageteilnehmer (43 Prozent) geht davon aus, dass der Asset-Management-Branche infolge der Coronakrise Insolvenzen sowie eine Konsolidierungswelle  bevorstehen. "Weltweit erwartet immerhin ein Drittel der Finanzexperten Konsolidierungen", sagt Spinner. Die Deutschen rechnen zudem mit mehr Unternehmenspleiten als ihre Kollegen in anderen Ländern. "Angesichts düsterer Wirtschaftsprognosen und wegbrechender Einnahmen gehen die Deutschen offenbar von entsprechenden Narben aus", erklärt die Expertin.
 
Langfristig erwarten die Befragten, dass durch die Pandemie der Trend zu mehr Skalierung und Automatisierung von Prozessen zunimmt. Dadurch lassen sich Kosten senken und die Effizienz in vielen Bereichen steigern. (fp)