Finanzaufseher warnen vor KI-Risiken für die globale Finanzstabilität
Hohe Bewertungen, mehr Fremdkapital und die Konzentration auf wenige KI-Unternehmen könnten Marktstress verschärfen. Das Financial Stability Board verlangt zudem von Behörden und Finanzhäusern robustere Schutz- und Notfallkonzepte.
Der Boom rund um künstliche Intelligenz entwickelt sich nach Einschätzung des Financial Stability Board (FSB) zunehmend zu einem Risiko für das globale Finanzsystem. Besonders dringlich sei die Gefahr, dass leistungsfähige KI-Modelle die Geschwindigkeit, das Ausmaß und die Kosten von Cyberangriffen grundlegend verändern.
Darauf weist FSB-Chef Andrew Bailey, Gouverneur der Bank of England, in einem Schreiben an die Finanzminister und Notenbankchefs der G20 hin. Der Brief wurde im Vorfeld ihres Treffens am 31. August und 1. September 2026 in Asheville im US-Bundesstaat North Carolina veröffentlicht.
KI-Euphorie trifft auf angespannte Märkte
Das FSB warnt zugleich vor einer möglicherweise ungeordneten Marktkorrektur, die sich über Ländergrenzen hinweg ausbreiten könnte. Als Schwachstellen nennt das Gremium fragile Staatsanleihemärkte, Risiken im Private-Credit-Sektor und hohe Bewertungen zahlreicher Vermögenswerte.
Hinzu komme der verstärkte Einsatz von Fremdkapital an den Aktienmärkten. Dieser treffe auf eine hohe Marktkonzentration und großen Optimismus rund um KI. Das Zusammenspiel dieser Faktoren könne mögliche Kurskorrekturen zusätzlich verstärken.
Cyberangriffe könnten neue Dimension erreichen
Sogenannte Frontier-KI-Modelle verfügten über zunehmend ausgeprägte Fähigkeiten zur selbstständigen Problemlösung. Damit wachse auch ihr Potenzial, für Angriffe auf Finanzunternehmen oder deren technische Dienstleister eingesetzt zu werden. Im Extremfall könne eine solche Entwicklung das Vertrauen in das Finanzsystem insgesamt beeinträchtigen.
Das FSB fordert die zuständigen Behörden deshalb auf, weltweit Voraussetzungen für eine sichere und verantwortungsvolle Veröffentlichung und Nutzung leistungsfähiger KI-Modelle zu schaffen.
Finanzhäuser sollen Notfallpläne stärken
Auch Banken und andere Finanzunternehmen sieht das Gremium in der Pflicht. Sie sollten ihre Reaktions- und Wiederanlaufpläne auf schwerwiegende Störungen ausrichten und insbesondere die Widerstandsfähigkeit kritischer externer Technologieanbieter überprüfen.
Die Warnung erfolgt vor dem Hintergrund des anhaltenden Konflikts im Nahen Osten. Nach Einschätzung des FSB bleiben die Finanzmärkte daher ohnehin anfällig für plötzliche und grenzüberschreitende Verwerfungen. (mb)















