Die Alterung der Gesellschaft, Robotik und künstliche Intelligenz oder Nachhaltigkeit – solche Trends kursieren in der Investmentwelt. Doch an übergeordneten Themen ausgerichtete Anlagestrategien bergen Nachteile, warnt Fidelity-Manager Matt Siddle im Interview mit FONDS professionell. "Wenn ich mit Blick auf einen bestimmten Trend nach Anlagezielen suchen würde, wäre ich mit einem Problem konfrontiert: Es gibt kaum Themen, die nicht schon jemand anders entdeckt hat", sagt der Lenker des milliardenschweren Fidelity European Larger Companies und des European Growth Fonds.

Bei letzterem hat Siddle vor sieben Jahren das Steuer übernommen, als das einstige Europa-Aktien-Flaggschiff unter Mittelabflüssen litt. Siddle war nach Anthony Bolton, Graham Clapp und Alexander Scurlock binnen zehn Jahren der vierte Kapitän. Zu den Spitzenzeiten unter Clapp hatte das Dickschiff ein Gewicht von gut 25 Milliarden Euro. Mittlerweile ist das Vehikel, das hierzulande häufig in Fondspolizzen eingesetzt wird, nurmehr sechs Milliarden Euro schwer. Siddle gelang es jedoch, seit seinem Amtsantritt immer wieder eine Mehrrendite zu erzielen.

An der Schlange vorbei
"Wenn man auf Basis einer Top-down-Strategie arbeitet, reiht man sich in eine Schlange mit vielen anderen Investoren ein, die ebenfalls die dazu passenden Geschäftsmodelle kaufen möchten", führt der Fidelity-Mann weiter aus. Sein Investmentstil sei vielmehr, jedes Unternehmen und seine Besonderheiten individuell zu betrachten. "Die Herde der Investoren drängt jedoch in teure Titel, weil diese kurzfristig hohe Gewinne versprechen. Dabei ignorieren sie viele gute Unternehmen mit langfristigem Gewinnpotenzial."


Das gesamte Interview mit Fidelity-Manager Matt Siddle lesen Sie in der neuen Heftausgabe 3/2019 von FONDS professionell oder hier im E-Magazin (Anmeldung erforderlich).


Seine eigene Herangehensweise fasst Siddle mit einem Satz zusammen: "Kurz gesagt: Ich suche qualitativ hochwertige Unternehmen, die organisch wachsen können und bei denen die Aktien eine niedrige Bewertung aufweisen." Als Bottom-up-Investor konzentriere er sich auf die Wachstumstreiber und Risiken, die je nach Unternehmen unterschiedlich ausfallen. Auf diese Faktoren würden weniger Augen schauen als auf ein großes Thema wie Digitalisierung oder Demografie.

Abseits aller Moden
Gänzlich verwerfen möchte der Milliarden-Manager solche Ansätze allerdings nicht. "Ich will damit nicht sagen, dass der eine dem anderen Investmentansatz überlegen ist, sondern, dass dies nicht der Weg ist, wie ich investiere. Ich schaue auf die individuellen Wachstumstreiber eines Unternehmens und ob sich diese in der Bewertung widerspiegeln", sagt Siddle. Viele gute Unternehmen würden nach der anhaltenden Börsen-Hausse zwar hohe Bewertungen aufweisen. "Doch es gibt einige, die nicht in das Schema der gerade angesagten Investmentthemen passen. Diese Titel sind günstig." (ert)