Am gestrigen Dienstag (3. März) hat die Fed überraschend den Leitzins in den USA um 50 Basispunkte gesenkt. Er liegt nun in einem Korridor zwischen 1,0 und 1,25 Prozent. Mit diesem Schritt hat die US-Notenbank die Märkte überrumpelt: Die nächste Notenbanksitzung, auf der planmäßig über die Höhe des Leitzinses entschieden werden sollte, findet eigentlich erst in zwei Wochen statt, berichtet die "Tagesschau". 

Grund für den Feuerwehreinsatz der Fed ist die grassierende Corona-Epidemie. Die Währungshüter hatten kürzlich erklärt, die Lage im Auge zu behalten und nötigenfalls zu reagieren. Das ist nun passiert – mit unerwarteter Deutlichkeit: So stark wie am gestrigen Tag hat die Notenbank die Leitzinsen seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr gesenkt, kommentiert der "Tagesspiegel". Die Epidemie berge "Risiken für die wirtschaftliche Aktivität", teilte die Fed mit. Experten halten unter dieser Prämisse sogar zwei weitere Zinssenkungen für möglich.

Niedrigzinsen könnten mehr Schaden anrichten als Nutzen stiften
Am US-Anleihemarkt werden bereits weitere Zinsschritte nach unten eingepreist, berichtet BNY Mellon. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bewegt sich Richtung ein Prozent. "Diese Kursreaktion könnte allerdings kurzlebig sein, wenn Risikoanlagen den Zinsschritt gut aufnehmen", sagt Paul Brain, Fondsmanager bei der US-Investmentgesellschaft. Die Suche nach sicheren Häfen könne sich auch dann wieder beruhigen, wenn der Schwerpunkt der Notenbank künftig nicht auf Zinssenkungen liegt, sondern auf anderen Maßnahmen.

Nicht jeder ist überzeugt, dass Zinssenkungen die richtige Antwort auf die Corona-Krise sind. "Was, wenn die Märkte jetzt den Glauben an die Unabhängigkeit der Fed verlieren, da einige Marktteilnehmer und Präsident Trump zuvor stark auf eine Zinssenkung gedrängt haben?", fragt Christian Scherrmann, USA-Spezialist der DWS. "Was, wenn die Fed mehr Risiken sieht als die Märkte, was die Unsicherheit noch verstärken würde?" Die Zinssenkung hilft der Finanzierung von Verbrauchern und Unternehmen, kann aber keine löchrigen Lieferketten reparieren, kritisiert der Ökonom.

Ins gleiche Horn stößt Franck Dixmier: "Intervention von Zentralbanken sind in dieser Phase nutzlos, ja sogar schädlich", sagt der Anleihechef bei Allianz Global Investors. Die eigentlichen Aufgaben der Fed – Preisstabilität und Vollbeschäftigung zu sichern – seien beide erfüllt. "Eine Zinssenkung wird einen Angebotsschock nicht beheben können. In der Zwischenzeit verbrennt die Fed Munition, die sie im Falle einer schweren Rezession vielleicht noch benötigt", warnt Dixmier. (fp)