Italiens neue Regierung legt in Kürze den Staatshaushalt für das kommende Jahr vor. Entgegen früherer Befürchtungen will sich das Land bei der Neuverschuldung nun doch an die EU-Spielregeln halten, berichtet Hans-Werner Rapp, Leiter des Feri Cognitive Finance Institute. Nach den Europawahlen sind allerdings neue Drohgebärden in Richtung EU zu erwarten. "Die Brisanz des italienischen Patienten für das gesamte Euro-System hat sich zuletzt deutlich erhöht", sagt Rapp.

Italien ist derzeit der größte Risikofaktor für das ohnehin fragile europäische Währungssystem. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie des Feri Cognitive Finance Institute. Das Land ist faktisch überschuldet, wirtschaftlich schwach und anhaltend reformunfähig. Auch die Zustimmung zu EU und Euro ist in Italien so niedrig wie nirgendwo sonst in der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion.

Italien rutscht in eine Abwärtsspirale
Die neue Regierung in Rom will, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Schulden übernimmt. Dabei schreckt sie auch vor Erpressung nicht zurück, konstatiert der Feri-Experte. Die Finanzmärkte haben mittlerweile begonnen, die Italien-Risiken in Form steigender Zinsen und Spreads einzupreisen. "Das erzeugt für Italien und den Euro eine gefährliche Dynamik: Die Tragfähigkeit der italienischen Verschuldung sinkt und die Gesamtsituation wird schlimmer", so Rapp.

Hinzu kommt, dass Ende dieses Jahres die monetären Hilfen der EZB auslaufen. Italien dürfte das Ende des Hilfsprogramms sofort zu spüren bekommen. Gleichzeitig lehnt eine Gruppe von EU-Mitgliedsländern – bekannt als "Hanseatische Liga" – höhere Schulden und neue Transferzahlungen in der Währungsunion ab. Rapps Fazit: "Die Eurozone könnte in den nächsten Monaten stärker unter Druck kommen, als derzeit von den Märkten erwartet." (fp)