Die US-Notenbank geht davon aus, dass die Vereinigten Staaten viel Zeit benötigen werden, um wirtschaftlich wieder so gut dazustehen wie vor der Corona-Pandemie. Vor allem am Arbeitsmarkt rechnet Fed-Chef Jerome Powell mit ernsten Folgeschäden. Es werde lange dauern, "bis wir wieder nur in die Nähe von Vollbeschäftigung kommen", sagte er laut "Handelsblatt" auf der Pressekonferenz nach der Notenbanksitzung am gestrigen Mittwoch (29. April). Besonders stark von der Krise betroffen seien Geringverdiener. Diese Entwicklung "bricht mir das Herz", so Powell.

Der Fed-Präsident rechnet damit, dass die US-Wirtschaft im zweiten Quartal so stark einbrechen wird wie nie zuvor in ihrer Geschichte. Die Arbeitslosenquote dürfte im April im zweistelligen Bereich liegen. Konkrete Zahlen gibt es erst am Freitag (1. Mai). Die Rasanz des Abschwungs ist beispiellos: Noch vor zwei Monaten lief es am US-amerikanischen Arbeitsmarkt so gut wie seit fünf Jahrzehnten nicht mehr.

Neue Kredite für Mittelständler
Um die Wirtschaft zu stützen, belässt die Fed den Leitzins in den Vereinigten Staaten bis auf Weiteres zwischen null und 0,25 Prozent. Darüber hinaus kauft sie weiterhin unbegrenzt US-Staatsanleihen und hypothekenbesicherte Wertpapiere auf. Zusätzlich soll das Kaufprogramm um Kommunalanleihen von US-Bundesstaaten und Städten erweitert werden. Die Notenbank will überdies die Kreditvergabe an größere mittelständische Unternehmen fördern – etwas, das sie noch nie zuvor getan hat.

Wie nützlich das Kreditprogramm der Fed für den amerikanischen Mittelstand sein wird, muss sich allerdings erst noch zeigen. Anders als die Hilfen des US-Finanzministeriums sind die Kredite jedenfalls nur für solvente Firmen gedacht. "Einige der Unternehmen und Haushalte, die am dringendsten Unterstützung brauchen, sind am wenigsten kreditwürdig. Das macht es für die Fed schwierig, sie direkt zu unterstützen", zitiert das "Handelsblatt" Michael Feroli, Chefökonom der Investmentbank JP Morgan Chase. (fp)