"Falsches Ziel": Fed-Direktor attackiert Warshs Bilanzpläne
Der designierte Fed-Chef Kevin Warsh will die Bilanz der US-Notenbank deutlich verkleinern. Fed-Direktor Michael Barr hält das für gefährlich – und warnt vor Risiken für Banken, Geldmärkte und die Finanzstabilität.
Federal-Reserve-Direktor Michael Barr hat sich am Donnerstag (14.5.) gegen Vorschläge ausgesprochen, die Bilanz der US-Notenbank zu verkleinern. Solche Pläne seien falsch und stellten eine Gefahr für die Finanzstabilität dar.
Barrs Aussagen sind eine direkte Erwiderung auf Forderungen des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh. Dieser hatte wiederholt erklärt, die Notenbank müsse ihre Bilanzsumme reduzieren, um Eingriffe in die Finanzmärkte zu minimieren.
Gefahr für Stabilität des Bankensystems
Barr erklärte, die Bilanzoperationen der Notenbank stünden im Zentrum eines stabilen Bankensystems. Einige der derzeit diskutierten Vorschläge würden den Einfluss der Fed auf die Finanzmärkte sogar vergrößern, warnte er.
Eine Senkung der Liquiditätsanforderungen etwa würde die Finanzstabilität untergraben, sagte Barr. "Ich denke, die Verkleinerung der Bilanz ist das falsche Ziel – und viele der Vorschläge zur Erreichung dieses Ziels würden die Widerstandsfähigkeit der Banken schwächen, das Funktionieren der Geldmärkte beeinträchtigen und letztlich die Finanzstabilität gefährden", so Barr laut Redetext bei einem Vortrag vor den "Money Marketeers" der New York University.
Warsh drängt auf kleinere Fed-Bilanz
Zwar erwähnte Barr in seiner Rede Warsh nicht namentlich. Der von US-Präsident Donald Trump nominierte Ökonom hatte sich jedoch mehrfach für eine deutliche Verkleinerung der 6,7 Billionen Dollar schweren Bilanz der US-Notenbank ausgesprochen. Diese war während der globalen Finanzkrise sowie erneut während der Corona-Pandemie stark ausgeweitet worden, als die Fed Märkte und Wirtschaft stützte.
Warshs Aussagen haben bei vielen Analysten Sorgen ausgelöst, ein rascher Bilanzabbau könnte Spannungen an den Geldmärkten verursachen. In einer Anhörung vor dem Kongress erklärte Warsh allerdings, ein solcher Schritt würde Zeit benötigen und frühzeitig angekündigt werden.
Der US-Senat bestätigte Warsh am Mittwoch (13.5.) mit 54 zu 45 Stimmen für vier Jahre als neuen Fed-Chef. Damit ist der Weg frei für seine Vereidigung kurz nach dem Ende der Amtszeit des scheidenden Fed-Vorsitzenden Jerome Powell am Freitag (15.5.).
Weitere Fed-Vertreter skeptisch
Barr ist nicht der erste Währungshüter, der sich gegen eine Verkleinerung der Bilanz ausspricht. Bereits im März hatte der Präsident der New Yorker Fed, John Williams, infrage gestellt, ob regulatorische Änderungen sinnvoll seien, die Banken geringere Reservebestände erlauben würden. Fed-Direktor Christopher Waller hatte erklärt, eine Rückkehr zu einem System knapper Reserven wäre "dumm".
"Bei jeder Überlegung zu Änderungen am Ansatz der Federal Reserve beim Management ihrer Bilanz sollten wir zu den Grundlagen zurückkehren und fragen, welches Problem wir eigentlich lösen wollen", sagte Barr. "Zusammengefasst: Die Verkleinerung der Fed-Bilanz ist das falsche Ziel, und die Widerstandsfähigkeit des Bankensystems zu schwächen ist das falsche Mittel."
Inflation bleibt größtes Risiko
In einer Fragerunde nach seiner Rede sagte Barr zudem, der Arbeitsmarkt bleibe trotz der starken Wirtschaftslage fragil. Das "überwältigende" Risiko für die Wirtschaft sei derzeit jedoch die Inflation. "Ich beobachte die Sorgen rund um den Arbeitsmarkt weiterhin sehr aufmerksam, aber für mich ist das Risiko derzeit deutlich höher, dass sich die Inflation nicht wie gewünscht entwickelt", sagte Barr.
Barr erklärte außerdem, er habe Warsh bereits am Donnerstag (14.5.) getroffen und erwarte, dass dieser bei der Fed "gute Dinge tun" werde. (mb/Bloomberg)















