Die Inflationsrate in der Eurozone könnte in nicht allzu ferner Zukunft anders berechnet werden als bisher. Darüber berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ). Die Berechnung der Größe steht schon seit längerem in der Kritik – und zumindest ein Einwand hat Gewicht: In dem von der europäischen Statistikbehörde Eurostat berechneten und von der Europäischen Zentralbank (EZB) als Zielgröße für ihre Geldpolitik verwendeten Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Preisentwicklung selbstgenutzten Wohneigentums nicht enthalten. "Da viele Menschen Wohneigentum besitzen, wäre es konsequent, auch die mit der Nutzung von Wohneigentum verbundenen Kosten zu berücksichtigen“, so die "FAZ“.

Die EZB befasst sich schon seit vielen Jahren mit dem Thema. Nun hat die Debatte offenbar Fahrt aufgenommen: Im Laufe des Jahres wollen Eurostat und die EZB gemeinsam Vorschläge dafür erarbeiten, wie sich die Kosten selbstgenutzter Immobilien in den Verbraucherpreis einbeziehen lassen. Bis Jahresende muss die EU-Kommission die Vorschläge dann beurteilen und im Anschluss dem EU-Parlament sowie dem Europäischen Rat vorlegen.

Plausibel in der Theorie, schwierig in der Praxis
Es scheine zwar plausibel, selbstgenutztes Wohneigentum im Verbraucherpreisindex zu berücksichtigen – die Implementierung sei allerdings schwer, schreibt die "FAZ“. Denn die Daten für den Verbraucherpreisindex werden monatlich veröffentlicht und sind aktuell. Daten für selbstgenutztes Wohneigentum liegen hingegen nur als Quartalsdaten vor. Weitere Herausforderungen entstehen aus der verwendeten Methodik bei der Berechnung. Wann und wie die Berechnung der Inflationsrate geändert wird, ist noch offen.

Deutlich höhere Inflationsraten sind von einer Änderung der Berechnung indes nicht zu erwarten. Der Ökonom Daniel Gros vom Center for European Policy Studies (Ceps) hat eine Vergleichsstudie erstellt, in der die Inflationsrate um einen halben Prozentpunkt steigt, wenn die Kosten selbstgenutzten Wohneigentums berücksichtigt werden. Im vergangenen Jahr sind diese Kosten in der Eurozone um drei Prozent gestiegen. Langfristig hätten sich die Inflationsraten durch die Einbeziehung selbstgenutzten Wohnraums kaum verändert. (fp)