Sind Negativzinsen Gift oder Medizin für die Wirtschaft in der Eurozone? Darüber debattiert die Politik seit langem. Die Europäische Zentralbank (EZB) will nun Fakten schaffen und hat am Mittwoch (13. Mai) eine umfangreiche Studie zum Thema vorgestellt. Darin finden die Notenbanker viele lobende Worte für ihre Politik. So kommen die EZB-Ökonomen Miguel Boucinha und Lorenzo Burlon unter anderem zu dem Ergebnis, dass die Negativzinspolitik, wie beabsichtigt, zu einer verstärkten Kreditvergabe der Banken an die Realwirtschaft geführt habe. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ).

Zwar sei die Negativzinspolitik offenkundig mit ungewollten Nebenwirkungen verbunden. So könnte sie unter anderem dazu führen, dass die Menschen verstärkt Bargeld horten statt ihr Erspartes in chancenreiche Langfrist-Anlagen umzuschichten. Im Augenblick gebe es aber keine starken Anzeichen für ein Leckwerden ("leakage") des Bankensystems, schreiben die Autoren. Von einem Abfließen von Liquidität aus dem Bankensystem ins Bargeld kann laut Studie also nicht die Rede sein.

Nebenwirkungen verschlimmern sich
Insgesamt ziehen die EZB-Ökonomen ein positives Fazit der Negativzinspolitik. Das Instrument habe die erwünschte Wirkung erzielt, die Nebenwirkungen seien noch beherrschbar. Sie räumten jedoch ein, dass die negativen Folgen umso stärker ins Gewicht fallen, je länger das Instrument eingesetzt werde. Ein Grund dafür sei, dass viele Banken derzeit noch von alten, höher verzinsten Eigenanlagen zehren. "Die Balance zwischen Kosten und Nutzen verändert sich, wenn die Zinsen für lange Zeit niedrig bleiben", heißt es in der Studie. (fp)