EZB-Ratsmitglied Olli Rehn sieht das Risiko einer übermäßigen Abschwächung der Teuerung. Gegenüber der finnischen Zeitung "Helsingin Sanomat" sagte er, "niedrige Energiepreise, ein stärkerer Euro und nachlassende Lohn- und Dienstleistungsinflation bergen das Risiko, dass die Gesamtinflation im Verhältnis zu unserem Ziel von zwei Prozent zu stark sinkt".

Auf die Frage, ob die EZB die Zinsen im Dezember erneut senken könnte, antwortete Rehn: "Dieses Risiko sollte nicht unterschätzt werden." Zugleich warnte er jedoch vor möglichen Aufwärtsrisiken bei der Inflation.

Zinswende pausiert – Wirtschaft zeigt sich robust
Da die Inflation nahe am Zwei-Prozent-Ziel der EZB liegt, erwarten Ökonomen und Investoren kurzfristig keine weiteren Änderungen am Einlagenzins. Dieser wurde im laufenden Zyklus bereits acht Mal gesenkt – von vier auf zwei Prozent.

Die Wirtschaft im Euroraum habe trotz der handelspolitischen Belastungen durch die Zollpolitik der Trump-Administration Widerstandskraft bewiesen. Das Wachstum sei "langsam, aber beständig", sagte der finnische Notenbankchef dem Blatt.

Risiken an den Aktienmärkten
Rehn warnte zudem vor Korrekturgefahren an den Aktienmärkten und hob die Bedeutung ausreichender Kapitalpuffer bei Banken hervor. "Die Aktienkurse sind aufgrund des Künstliche-Intelligenz-Booms in den USA im Verhältnis zur Entwicklung der Realwirtschaft und der Unternehmensgewinne recht hoch", sagte er. "Das erfordert Vorsicht."

Kandidatenrennen um den EZB-Vizeposten
Rehn gilt als Kandidat für den Posten des EZB-Vizepräsidenten und wird von der finnischen Finanzministerin Riikka Purra unterstützt. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur "Bloomberg" vom Donnerstag (13.11.) signalisiert Kroatien Unterstützung für Boris Vujcic, den Gouverneur der kroatischen Nationalbank. Auch Lettland will einen Kandidaten für den Posten im sechs Mitglieder umfassenden EZB-Direktorium nominieren, ohne zu bestätigen, ob es sich dabei um Notenbankchef Martins Kazaks handeln soll. (mb/Bloomberg)