EZB-Rat warnt vor "anämischem Wachstum": Reformen gefordert
EZB-Ratsmitglied Álvaro Santos Pereira sieht aktuell keinen Handlungsbedarf für eine geldpolitische Kursänderung. Stattdessen fordert er Reformen von Regierungen und EU, um das schwache Wachstum im Euroraum zu beleben.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat nach Ansicht von Ratsmitglied Álvaro Santos Pereira derzeit keinen Anlass, ihre Geldpolitik zu ändern, da die Inflation im Euroraum weiterhin nahe am Zielwert von zwei Prozent liegt.
"EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat klargestellt, dass sich die Zentralbank in einer guten Position befindet, da die Preisstabilität gewährleistet ist", erklärte der Chef der portugiesischen Notenbank am Mittwochabend (7.1.) in einem Interview mit dem Fernsehsender "RTP". Die Geldpolitik habe "erfüllt, was sie erfüllen musste – nämlich die Wirtschaft zu unterstützen, als es notwendig war".
Verantwortung liegt bei Regierungen und EU
Als Gouverneur der Bank von Portugal betonte Pereira zudem, die Verantwortung liege nun bei den europäischen Regierungen und der Europäischen Union, strukturelle Reformen umzusetzen, um das von ihm als "anämisch" bezeichnete Wirtschaftswachstum Europas zu überwinden.
Die Vertiefung des Binnenmarktes sei dabei entscheidend. Dem Staatenverbund fehle weiterhin ein wirklich einheitlicher Markt. "An diesem Punkt liegt die Verantwortung bei den Regierungen und der Europäischen Kommission", sagte Pereira. "Wenn Europa das Potenzial einer Verbraucherbasis von 450 Millionen Menschen voll ausschöpfen will, müssen diese Reformen umgesetzt werden – insbesondere im Binnenmarkt."
Im vergangenen Monat hatte die Europäische Zentralbank die Leitzinsen zum vierten Mal in Folge unverändert gelassen. (mb/Bloomberg)
















