EZB-Rat Nagel: Inflationsrisiko derzeit größer als Konjunktursorgen
Die Europäische Zentralbank beobachtet die Folgen des Iran-Kriegs mit wachsender Aufmerksamkeit. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sieht derzeit vor allem Risiken für die Inflation – und weniger für das Wirtschaftswachstum im Euroraum.
Die Inflation ist nach Einschätzung von Bundesbank-Chef und EZB-Ratsmitglied Joachim Nagel eine größere Sorge als das Wirtschaftswachstum. Das erklärte er, während die Europäische Zentralbank die Folgen des Kriegs im Iran bewertet.
Wie stark der 21-Staaten-Währungsraum durch höhere Energiepreise und Handelsstörungen belastet wird, hängt davon ab, wie lange der Krieg andauert, sagte der Bundesbank-Präsident am Donnerstag (5.3.) im Gespräch mit "Bloomberg Television". Schlussfolgerungen seien derzeit schwierig, da die Lage weiterhin "sehr volatil" sei.
"Im Moment würde ich sagen, dass es mehr Auswirkungen auf der Inflationsseite gibt" im Vergleich zu dem, was er auf der wirtschaftlichen Seite sehe, sagte Nagel. Er ergänzte, man müsse "abwarten", bevor man ein Urteil fälle.

EZB beobachtet Folgen des Konflikts
Die eskalierende Lage im Nahen Osten hat weltweit Inflationssorgen geschürt und droht zugleich die wirtschaftliche Aktivität zu belasten. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane erklärte in dieser Woche, die Notenbanker, die in zwei Wochen erneut zusammentreten, würden die Entwicklungen "genau beobachten".
Bislang argumentiert die Mehrheit, dass es keine Notwendigkeit gebe, die Kreditkosten übereilt zu verändern, da die Inflation derzeit nahe dem Zielwert von zwei Prozent liegt. Energiepreisschübe werden von den Währungshütern in der Regel ausgeblendet, solange die Inflationserwartungen stabil bleiben.
Einige signalisierten jedoch, dass Maßnahmen erforderlich werden könnten, falls sich das Preiswachstum weiter beschleunigt. Händler beginnen bereits, auf EZB-Zinserhöhungen noch in diesem Jahr zu setzen.
Fokus bleibt auf Preisstabilität
Nagel betonte, die EZB werde dem gleichen Vorgehen folgen wie nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine, als die Inflation auf über zehn Prozent schnellte. "Unsere Zusage ist eine feste", sagte er. "Wir werden uns wirklich auf unser Mandat konzentrieren, Preisstabilität zu erreichen." Das Engagement sei ungebrochen. "Wir werden uns voll und ganz auf unseren Auftrag konzentrieren, Preisstabilität zu erreichen", so Nagel.
Zuvor hatte der Bundesbank-Chef vor Journalisten erklärt, die EZB beobachte die Auswirkungen stark steigender Energiekosten infolge des Iran-Kriegs äußerst aufmerksam und werde Prognosen heranziehen, um zu entscheiden, ob Handlungsbedarf bestehe.
Ratsmitglieder mahnen zur Vorsicht
Andere Ratsmitglieder vermieden es bislang, vorschnell über Maßnahmen zu sprechen. EZB-Vizepräsident Luis de Guindos deutete am Donnerstag lediglich an, dass ein längerer Zeitraum von Kämpfen im Nahen Osten die Inflationserwartungen nach oben treiben könnte.
Der finnische Notenbankchef Olli Rehn sagte später im Gespräch mit "Bloomberg Television", da der Krieg sowohl einen Angebots- als auch einen Nachfrageschock auslösen könne, sollten die Währungshüter "eine ruhige Hand bewahren" und "keine vorschnellen Schlüsse ziehen". (mb/Bloomberg)















