EZB-Rat Kocher: "Inflation wie 2022 werden wir nicht zulassen"
Kurzfristige Energiepreisschocks sind für die EZB kein Handlungsgrund, sagt OeNB-Chef und EZB-Rat Martin Kocher. Eine mögliche Zinserhöhung im April hänge von Zweitrundeneffekten ab. Relativ klar ist bereits: Das Wirtschaftswachstum in Österreich wird sich deutlich eintrüben.
Die österreichische Wirtschaft dürfte 2026 nur um 0,5 Prozent wachsen. Das sagte Martin Kocher, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), am Dienstag (24.3.) vor Medien. Zuletzt waren die Expertinnen und Experten noch von einem Plus von 0,8 Prozent ausgegangen.
Für Österreich ist es ein erneuter Dämpfer nach einer zaghaften Erholungsphase: Nach zwei Jahren Rezession gab es 2025 wieder ein leichtes Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent.
Krieg im Iran
Wie überall in Europa müssen nach dem Ende Februar begonnenen Angriff der USA und Israels auf den Iran die Konjunkturprognosen gesenkt werden, vor allem weil sich die Öl- und Gaspreise aufgrund von Lieferengpässen aus der Region rasch verteuert haben.
Bei Öl gab es in den letzten Wochen teils eine Verdoppelung zum Jahresbeginn, was Erinnerungen an 2022 weckt. Damals kam es im Umfeld der anziehenden Konjunktur am Ende der Corona-Pandemie und der russischen Invasion in der Ukraine zu einem Energiepreisschock mit durchschlagenden Auswirkungen auf die Inflation. Im Herbst 2022 stieg die Teuerung im Euroraum auf über zehn Prozent. Das gewünschte Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) liegt bei zwei Prozent.
Zweitrundeneffekte entscheiden über EZB-Schritte
In ihrer vergangenen Sitzung am 19. März hat die EZB die Einlagefazilität bei zwei Prozent belassen. Ein Reagieren auf kurzfristige Preisschocks sei nicht die Aufgabe der Notenbank, so OeNB-Chef und EZB-Rat Kocher. "Die Entwicklungen sind ein Signal, aufmerksam zu sein. Wir werden sehr genau beobachten, ob es Zweitrundeneffekte gibt", so Kocher. Wenn etwa eine Auswirkung der hohen Energierohstoffkosten auf Löhne oder Nahrungsmittelpreise eintritt, werde die EZB handeln.
"Eine Inflation wie 2022 werden wir nicht zulassen", so Kocher. Bisher hätten die Daten diese Effekte noch nicht signalisiert. In einem von der EZB errechneten sehr schweren Szenario könnte die Inflation in der Eurozone heuer bereits auf deutlich über vier Prozent steigen.
Teuerung in Österreich steigt wieder an
In Österreich soll die Inflation bis Mai 2026 auf gut drei Prozent ansteigen und bis Jahresende auf 2,5 Prozent sinken. Die prognostizierte Gesamtjahresinflation liegt bei 2,7 Prozent. Alle Prognosen seien momentan aber mit hoher Unsicherheit belastet, so Kocher.
Politische Maßnahmen, um die gestiegenen Energiekosten abzufedern, seien dann gerechtfertigt, wenn sie gezielt und zeitlich begrenzt eingesetzt werden, betonte Kocher. In Österreich wird gerade eine Spritpreisbremse diskutiert. Es dürften mit solchen Schritten aber keine falschen Verbrauchsanreize gesetzt werden, so Kocher.
OeNB-Verluste
Verkleinert haben sich 2025 die Verluste der OeNB. Unter dem Strich steht ein Ergebnis-Minus von einer Milliarde Euro nach minus 2,1 Milliarden Euro im Jahr davor. Ausschlaggebend für den Rückgang waren die Zinssenkungen der EZB. Die Einlagenfazilität – also der Zins, den die Notenbanken den Kreditinstituten für Geldeinlagen zahlen müssen – ist zwischen Ende 2024 und Ende 2025 von drei auf zwei Prozent gesunken.
Die Verluste der OeNB seien eine Nachwirkung der EZB-Krisenmaßnahmen der vergangenen Jahre, die alle Notenbanken mittragen mussten, erklärte OeNB-Vize-Gouverneurin Edeltraud Stiftinger: Die Notenbanken kauften zuletzt während der Corona-Pandemie, also zu Tiefstzinszeiten, Staats- und Unternehmensanleihen in großem Ausmaß, um die Märkte zu stabilisieren. Den geringen Kupons, die die OeNB aus diesen Beständen erhält, stehen umgekehrt hohe Zinszahlungen an die Banken ab Herbst 2022 gegenüber. Damals hat die EZB den Einlagenzinssatz innerhalb eines Jahres von null auf vier Prozent angehoben. "Notenbanken sind dazu gemacht, solche Verluste auszuhalten. Ziel ist nicht der Gewinn, sondern die Preisstabilität, die wir damit erreicht haben", so Stiftinger.
Noch länger keine Dividenden
Dividenden wird die Republik aus der Notenbank unter diesen Voraussetzungen noch länger nicht sehen. "In unserer Funktionsperiode nicht mehr", so Stiftinger, angesprochen auf einen möglichen Zeitrahmen. Ob beziehungsweise wann wieder Gewinne ausgeschüttet werden können, hängt naturgemäß auch an den Zinsschritten der EZB. (eml)















