Mehr als zehn Jahre lang war er der deutsche Bundesbankpräsident. Doch im Oktober verkündete Jens Weidmann seinen Rücktritt vom Amt, zum Jahresende. Er geht aus "persönlichen Gründen" – und hinterlässt eine Lücke, die auch die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, spüren wird. In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) bestätigt sie, dass sie Weidmann als langjährigen Kollegen und Freund vermissen werde. Und das, obwohl sich die beiden auf fachlicher Ebene längst nicht immer einig waren.

Mit Weidmann geht ein großer Skeptiker der aktuellen Geldpolitik der EZB. Doch das ändert nichts an Lagardes Gefühlen zum Rücktritt. "Ich bin überhaupt nicht erleichtert, ich bin sogar ein bisschen traurig, dass er sich entschieden hat zu gehen", sagt die EZB-Chefin gegenüber der FAS. Sie sei jedoch überzeugt, dass die deutsche Bundesregierung einen Nachfolger auswählen werde, der die Sicht der Bundesbank und die Sorgen der Bürger auf ähnliche Weise vertreten könne. 

Aus Fehlern gelernt
Weidmann kritisierte zuletzt unter anderem den Umgang der EZB mit der steigenden Inflationsrate. Er warnte die Notenbanker davor, die Inflation zu unterschätzen. Im Gespräch mit der FAS räumt Lagarde ein, dass die EZB ihre Inflationsprognosen in den vergangenen Quartalen nach und nach anpassen musste. "Aber da ging es den meisten Ökonomen überall auf der Welt nicht besser. Ich würde sagen, wir haben daraus gelernt", sagt Lagarde. Man müsse das Basisszenario immer wieder prüfen und es gegebenenfalls korrigieren. (fp)