Unbeeindruckt von den immer weiter steigenden Inflationszahlen bleibt die Europäische Zentralbank (EZB) ihrem lockeren Geldkurs bislang weiterhin treu. Wie EZB-Präsidentin Christine Lagarde immer wieder betont, sei es noch zu früh, dem Beispiel der US-Notenbank Fed zu folgen und eine Zinswende einzuleiten. Immerhin sei die wirtschaftliche Erholung in den USA dem europäischen Konjunkturverlauf m einige Quartale voraus. Allerdings stehen nicht alle Euro-Währungshüter hinter dieser Deutung, wie aus einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) hervorgeht. 

Schon in der Dezember-Sitzung des EZB-Rats soll es Meinungsverschiedenheiten gegeben haben. Aus dem Protokoll der Sitzung geht lauf FAZ hervor, dass mehrere Ratsmitglieder mit der aktuellen Vorgehensweise unglücklich sind – darunter auch solche, die normalerweise für eine lockere Geldpolitik plädieren. "Angesichts der Tatsache, dass nicht nur die Falken, sondern auch eine Reihe von Tauben in den letzten Wochen ihre Bereitschaft zu einem möglichen Kurswechsel signalisiert hatten, ist es für uns nicht allzu überraschend, dass es bereits auf der Dezember-Sitzung unterschiedliche Auffassungen gab", ordnet Commerzbank-Ökonom Michael Schubert die Lage ein.  

Anleihekaufprogramme sorgen für Unmut 
Uneinig waren sich die Währungshüter laut Protokoll vor allem in Bezug auf das vorgeschlagene Maßnahmenpaket und die damit verbundene Verlängerung oder gar Ausweitung der Anleihekaufprogramme. Auch geht es einigen Ratsmitgliedern gegen den Strich, dass die EZB sich vorbehält, auch über die Pandemie hinaus flexibel mit Anleihekaufprogrammen agieren zu wollen. 

Die nächste Sitzung des EZB-Rats findet am 3. Februar statt. Am Tag zuvor wird die Januar-Inflationsrate für die Eurozone veröffentlicht. Im Dezember lag diese bei fünf Prozent, dem höchsten Wert seit Beginn der Statistik im Jahr 1997. (fp)