EZB-Direktorin Schnabel bereitet Märkte auf Zinserhöhungen vor
Die EZB könnte ihre Zinspolitik verschärfen, falls der Konflikt im Iran die Inflation weiter antreibt. Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel sieht steigende Risiken durch höhere Energiepreise und wachsenden Kostendruck.
Die Europäische Zentralbank wird die Zinsen anheben müssen, falls der Krieg im Iran die Inflation nachhaltiger prägt. Das hat EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel am Donnerstag (7.5.) erklärt.
Ein "rasch wachsender Anteil" der Unternehmen plane Preiserhöhungen, Lieferketten seien gestört, und Haushalte passten ihre Erwartungen an, sagte die deutsche Notenbankerin. Angesichts der noch frischen Erinnerung an den letzten Inflationsschock werde sich die aktuelle Krise schneller bemerkbar machen.
"Wenn sich der Energiepreisschock ausweitet, wird die Geldpolitik straffer werden müssen, um das Risiko von Zweitrundeneffekten einzudämmen, die die mittelfristige Preisstabilität gefährden", sagte Schnabel in einer Rede in London. "Dieses Risiko hat in den vergangenen Wochen zugenommen."
EZB wartet bislang noch ab
Die EZB hat bislang davon abgesehen, die Zinsen zu erhöhen, obwohl die Inflation deutlich über dem Zielwert von zwei Prozent liegt. Da die Folgewirkungen höherer Energiepreise noch durch die Wirtschaft laufen, warten die Währungshüter bislang auf weitere Daten. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat jedoch signalisiert, dass ein Schritt im Juni möglich ist.
Andere äußern sich deutlicher. Der Slowake Peter Kazimir erklärte, ein Schritt im kommenden Monat sei "so gut wie unvermeidlich". Bundesbank-Präsident Joachim Nagel geht davon aus, dass eine Zinserhöhung nötig sein wird, sofern sich der Ausblick für Inflation und Wachstum nicht deutlich verbessert.
Frankreichs François Villeroy de Galhau, der vor der nächsten geldpolitischen Sitzung ausscheidet, hält dagegen, dass die höheren Energiekosten noch keinen ausreichenden Schaden verursacht hätten, um ein Eingreifen zu rechtfertigen.
Märkte rechnen mit Zinserhöhungen
An den Märkten werden unterdessen mindestens zwei Zinserhöhungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte in diesem Jahr eingepreist. "Wenn wir sehen, dass die höheren Kosten weitergegeben werden und die Löhne steigen, ist das das Signal, dass die Geldpolitik reagieren muss – nicht nur, um ein Signal zu senden, sondern tatsächlich, um die gesamtwirtschaftliche Nachfrage zu dämpfen", sagte Schnabel.
Schnabel mahnt Schutz der Zentralbank-Unabhängigkeit an
Angesichts häufiger werdender negativer Angebotsschocks sei es entscheidend, die Unabhängigkeit der Zentralbanken zu schützen, damit sie die Geldpolitik bei Bedarf straffen können. Die EZB habe "klargemacht", dass sie alles Notwendige tun werde, um die Inflation von derzeit drei Prozent wieder auf das Ziel zurückzuführen.
"Diese Handlungsfähigkeit in Zukunft zu bewahren, erfordert, den Spielraum der Zentralbanken vor Kräften zu schützen, die ihn einschränken könnten", sagte Schnabel. "Das erfordert, dass Regierungen die öffentlichen Finanzen auf einen wirklich nachhaltigen Pfad bringen. Es erfordert, dass Regulierer dem Druck widerstehen, die nach 2008 geschaffene Finanzarchitektur abzubauen. Und es erfordert auch Disziplin seitens der Zentralbanken, strikt innerhalb ihrer Mandate zu bleiben."
Die Alternative sei, so warnte sie, dass fiskalische und finanzielle Dominanz den Handlungsspielraum der Entscheidungsträger "schleichend aushöhlt", die Unabhängigkeit untergräbt und "letztlich zu höherer Inflation und geringerem Wachstum führt". (mb/Bloomberg)















