Schon länger erwarten Marktbeobachter angesichts der gestiegenen Inflationsrate eine Anhebung der Leitzinsen im europäischen Raum. Diese Hoffnungen hat die Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, mit ihrer Rede in Lissabon am Mittwoch (3.11.) enttäuscht, berichtet das "Handelsblatt". Zuerst müssten drei Bedingungen erfüllt sein, damit eine Zinsanhebung für die EZB infrage käme. "Trotz des gegenwärtigen Inflationsanstiegs bleibt der Inflationsausblick mittelfristig verhalten, und daher ist es sehr unwahrscheinlich, dass diese drei Bedingungen nächstes Jahr erfüllt sind", zitiert die Tageszeitung die EZB-Chefin.

Zu den drei Bedingungen gehört eine stabile Inflationsrate nahe zwei Prozent, ebenso wie Fortschritte bei der unterliegenden Inflation. Gemeint ist der Preisdruck für Güter, die nicht besonders schwankungsanfällig sind – Energie- und Lebensmittelpreise werden beispielsweise ausgeklammert. Die derzeitige Teuerung hält die EZB nach wie vor für ein vorübergehendes Phänomen, mittelfristig liegt die Inflation aus Sicht der Währungshüter unter den erforderlichen zwei Prozent.

Erst Tapering, dann Zinserhöhung
Bei Investoren sorgte Lagardes Ankündigung für lange Gesichter, da Marktbeobachter Ende 2022 fest mit einer Zinserhöhung gerechnet hatten. Ein genaues Datum für den Zinsanstieg bleibt nach wie vor offen. Die EZB will zunächst einmal das billionenschwere Corona-Anleihekaufprogramm PEPP drosseln. Das Ende des Notprogramms ist voraussichtlich für März 2022 geplant. Danach dürfte das kleinere EZB-Anleihekaufprogramm der EZB namens APP allerdings noch weiterlaufen, erwarten Experten. (fp)