Sollte sich die Konjunktur stärker eintrüben, wäre die Europäische Zentralbank (EZB) dazu bereit und in der Lage, die Wirtschaft weiterhin geldpolitisch zu stützen – und die Zinswende weiter nach hinten zu verschieben. Das sagte EZB-Chef Mario Draghi gestern im Rahmen einer Notenbank-Konferenz in Frankfurt. "Wir haben keinen Mangel an Instrumenten, um unser Mandat zu erfüllen", so Draghi laut der Nachrichtenagentur-Reuters. 

Die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen von außerhalb der Euro-Zone habe sich zuletzt anhaltend verschlechtert, sagte Draghi – wenngleich die Nachfrage innerhalb des Währungsraumes weiterhin robust sei. "Eine Abschwächung deutet nicht zwingend auf einen ernsthaften Einbruch hin", so der EZB-Chef. Dennoch sorgen die Entwicklungen für Unsicherheit: Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel nach den Worten Draghis gestern tief in den roten Bereich. Mit minus 0,048 Prozent lagen sie so niedrig wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. 

Verschiebung der Zinswende: Schlecht für Geldhäuser
Sollte die EZB die Zinswende tatsächlich  verschieben, würde das insbesondere Banken treffen. Diese beklagen schon seit geraumer Zeit, dass die anhaltenden Niedrigzinsen ihre Gewinne aufzehren. Vor allem die Strafzinsen der EZB sind vielen ein Dorn im Auge: Der Einlagensatz liegt seit März 2016 bei minus 0,4 Prozent. Falls notwendig, werde die Notenbank prüfen, wie sich mögliche Nebenwirkungen abmildern ließen, sagte Draghi dazu. Er betonte aber auch, dass die Ertragsschwäche von Geldinstituten keine unvermeidbare Folge der Niedrigzinsen sei. (fp)