Bei Geld hört die Freundschaft auf: Konkrete Anlagetipps jedenfalls würde Jens Weidmann nie geben. "Dafür sind Banken und Finanzberater da", soll er einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) zufolge einmal gesagt haben. Nun aber musste der Bundesbank-Chef Auskunft über seine persönliche Investmentstrategie im Zuge einer Transparenzoffensive der Europäischen Zentralbank (EZB) geben. In einem 82-seitigen Report listen alle 25 Ratsmitglieder mehr oder weniger detailreich auf, wie sie ihre finanziellen Anlagen gestalten.

Die Überraschung: Dem EZB-Bericht zufolge investiert Weidmann sein Vermögen vornehmlich in ETFs. Zwei solcher "Indeximitate" hält er derzeit in seinem privaten Portfolio. Ein Papier folgt dabei dem Lauf des deutschen Leitindex Dax. Bei dem anderen handelt es sich um den MSCI All Countries World Index, der Aktienwerte aus 23 Industrie- und 24 Schwellenländern beinhaltet.

Verlorene Zeit für Anleger
Nicht alle sind von Weidmanns Anlagestrategie überzeugt. "Der Dax ist ehrlich gesagt kein Brüller", so Andreas Görler vom Vermögensverwalter Pruschke und Kalmspricht gegenüber der SZ. Vor vier Jahren hätte der Dax an genau der gleichen Stelle wie jetzt gestanden – für Anleger sei das quasi verlorene Zeit.

Immerhin macht das Ratsmitglied Weidmann, im Gegensatz zu zahlreichen Kollegen, aus seiner Strategie kein Staatsgeheimnis: Bei Notenbankchef Mario Draghi beispielsweise sind die entsprechenden Felder und Tabellen leer. Das andere Extrem stellt laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" der belgische Notenbankchef Pierre Wunsch dar, dessen äußerst detailreiche Aufstellung unter anderem Fonds von Templeton, Fidelity und JP Morgan nennt. (fp/ps)