EZB-Beben? Rücktrittsgerüchte um Lagarde
Ein Bericht der "Financial Times" sorgt für neue Spekulationen: EZB-Präsidentin Christine Lagarde könnte ihren Posten womöglich früher als geplant räumen. Offiziell betont die Zentralbank jedoch, es gebe keine Entscheidung über ein vorzeitiges Ende.
EZB-Chefin Christine Lagarde will ihr Amt laut einem Bericht der "Financial Times" voraussichtlich vor Ablauf ihrer regulären achtjährigen Amtszeit im Oktober 2027 niederlegen. Der Zeitung zufolge will die inzwischen 70-Jährige noch vor der französischen Präsidentschaftswahl im April kommenden Jahres zurücktreten. Dies würde es dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz ermöglichen, gemeinsam eine Nachfolge zu bestimmen. Wann Lagarde tatsächlich ihr Amt niederlegen könnte, ist dem Bericht zufolge bislang unklar.
Ein Sprecher der Europäischen Zentralbank erklärte in einer E-Mail: "Präsidentin Lagarde ist völlig auf ihre Aufgabe konzentriert und hat keine Entscheidung über das Ende ihrer Amtszeit getroffen."
Frühere Gerüchte um Lagardes Zukunft
Bereits zuvor gab es Spekulationen über einen vorzeitigen Rücktritt Lagardes von der EZB, doch im Juni vergangenen Jahres versuchte sie, Gerüchte über eine mögliche Übernahme der Leitung des Weltwirtschaftsforums zu zerstreuen. Sie erklärte, sie sei "fest entschlossen, meine Mission zu erfüllen und meine Amtszeit zu Ende zu bringen".
Kürzlich sagte sie gegenüber "Bloomberg Television", dass sie keine Person sei, die schnell aufgibt; sie sei jedoch überrascht gewesen, als sie 2019 die Position bei der EZB annahm und erfuhr, dass die Amtszeit acht statt fünf Jahre betragen würde.
Politische Faktoren in Frankreich als Hintergrund
Die Spekulationen nahmen wieder zu, nachdem bekannt wurde, dass der Gouverneur der Banque de France, François Villeroy de Galhau, sein Amt vorzeitig niederlegen wird. Dies bietet Macron die Möglichkeit, ihn vor den Wahlen im nächsten Jahr zu ersetzen, die von der extremen Rechten gewonnen werden könnten.
Üblicherweise würde eine Entscheidung im Sommer vor Ablauf ihrer Amtszeit getroffen, doch die drohende Möglichkeit eines Wahlsiegs von Marine Le Pen oder ihres Schützlings Jordan Bardella bei den im April 2027 beginnenden Wahlen in Frankreich könnte europäische Regierungschefs dazu veranlassen, ihren Zeitplan vorzuziehen.
Kandidaten für die Nachfolge
Der Spanier Pablo Hernandez de Cos, derzeitiger Leiter der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, gehört laut einer Umfrage von "Bloomberg" neben dem ehemaligen niederländischen Zentralbankchef Klaas Knot zu den Favoriten für die Nachfolge von Lagarde.
Aus Deutschland haben sowohl Isabel Schnabel, Mitglied des EZB-Direktoriums, als auch Bundesbank-Präsident Joachim Nagel Interesse bekundet, Lagarde im Amt zu folgen. (mb/Bloomberg)













