Die Coronakrise führt bei den Inflationsprognosen zu Chaos. Während einige Ökonomen vor "inflationärem Feuer" warnen, sehen andere eine "deflationäre Eiszeit" heraufziehen, sagt Georg von Wallwitz, Chef der Investmentboutique Eyb & Wallwitz und Manager der Phaidros-Fonds. Beide Seiten haben gute Argumente. "Die einen sehen das Ende der Globalisierung, wonach nun die Warenpreise ansteigen müssten. Die anderen sehen die tiefe Verunsicherung der Konsumenten und Unternehmen, die nun aus Angst ihr Geld nicht mehr ausgeben und damit die Preise in den Keller treiben werden", erklärt Wallwitz.

Anleger haben eine klare Meinung zur Verbraucherpreisentwicklung: Sie gehen von einer Deflation aus. Für Deutschland erwarten sie in den kommenden zehn Jahren lediglich Preissteigerungen von 0,5 Prozent. Für Italien gehen sie von null Prozent aus, für Japan von minus 0,2 Prozent. Sogar für die USA, die derzeit den höchsten Schuldenberg anhäuft, rechnen die Märkte lediglich mit 1,1 Prozent Inflation über die nächsten zehn Jahre, berichtet Wallwitz.

Krise verknappt Angebot
Der Vermögensprofi rechnet damit, dass es zwischen frostigen deflationären Schüben immer wieder inflationäre Hitze geben wird. Er geht davon aus, dass die Regierungen nach dem Ende der Coronakrise nicht im selben Umfang sparen wie nach der Finanzkrise 2008/2009. Darüber hinaus werden viele Unternehmen gezwungen sein, ihre Preise zu erhöhen, vor allem Dienstleister. "Und drittens sitzen immer mehr Menschen auf Geld, das sie nun schon seit Monaten nicht mehr ausgeben können", so Wallwitz.

Längst nicht alle Verbraucher sind in Kurzarbeit und haben deshalb kaum Geld in der Tasche – aber kaum jemand kann wie gewohnt einkaufen, ins Restaurant gehen oder in den Urlaub fahren. "Die Nachholeffekte werden groß sein, und wenn gute Kauflaune auf ein reduziertes Angebot trifft, sind Preissteigerungen eigentlich unausweichlich", sagt der Anlageexperte. (fp)