Anleger folgen gewissen Regeln. Sie kaufen Wertpapiere günstig und verkaufen sie teuer, sie legen Quoten für die Gewichtung von Aktien und Anleihen fest, erstellen Risikobudgets und analysieren technische Signale. "Jeder Investor folgt einem System von Regeln, das sich, wenn es funktionieren soll, aus wissenschaftlicher Erkenntnis und langer Erfahrung speist", sagt Georg Graf von Wallwitz, Chef der Vermögensverwaltung Eyb & Wallwitz und Manager der Phaidros-Fonds. "Aber was hilft das System, wenn eine Situation eintritt, die von keiner Regel erfasst wird?"

In solchen Situationen muss man das Regelwerk durch Intuition ersetzen, ist Wallwitz überzeugt. Die Kenntnisse der Investment-Regeln sind zwar wichtig, um sich überhaupt auf die Börsen einlassen zu können. "Wer die Regeln des Spiels nicht kennt, verliert schnell sein Geld und das Vertrauen in sich und das System", so der Anlageprofi. Aber: "Regeln verlieren ihren Wert schnell, wenn Muster sich ändern, Ziele sich verschieben und Voraussetzungen nicht mehr gelten."

Alte Grundsätze gelten nicht mehr
Viele Gewissheiten aus früheren Jahren bröckeln dieser Tage. Die Zinsmärkte normalisieren sich, Spannungen im Welthandel zwingen Unternehmen zum Umdenken. Die Eurozone muss sich neu finden, die Digitalisierung spielt eine wachsende Rolle, neue politische und wirtschaftliche Machtzentren bilden sich heraus. "Glücklicherweise hat uns das Leben gelehrt, das Spiel zu verstehen und nicht zu warten, bis alle Regeln restlos geklärt sind", sagt Wallwitz. "Es reicht, den Überblick zu behalten und den Rahmen der Möglichkeiten auszuschöpfen." (fp)