Die 2010er Jahre hielten für Finanzprofis viele Überraschungen parat. "Eine der wichtigsten Lektionen dieser Jahre war, dass Pläne krachend scheitern können", sagt Georg Graf von Wallwitz, Chef der Investmentboutique Eyb & Wallwitz und Verwalter der Phaidros-Fonds. "Wenn ich in der bald zu Ende gehenden Dekade als Fondsmanager etwas gelernt habe, dann ist es die Skepsis gegenüber Plänen und einstudierten Prozessen, weil sie allzu oft die Kreativität hemmen und plötzlich die Voraussetzungen andere sind als gedacht", erklärt er.

Zu Wallwitz‘ größten Fehleinschätzungen der vergangenen Jahre gehört nach seinen eigenen Angaben sein Blick auf Value-Aktien. Nach dem Dotcom-Crash der Nullerjahre hatten sich Substanztitel hervorragend entwickelt. "Hätte man nicht einen ähnlichen Schub nach der globalen Finanzkrise erwartet?", fragt der Vermögensverwalter. Klingt durchaus plausibel. Doch es kam bekanntlich anders: Die Investoren wollten Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google, also wachstumsstarke Technologiewerte und trieben deren Kurse in schwindelerregende Höhen. "Die alte Kaufmannsregel, wonach der Gewinn im Einkauf liegt, war wenig wert in diesem Jahrzehnt", konstatiert Wallwitz.

Der unterschätzte Riese im Osten
Einem weiteren Irrtum saß der Aktienexperte auf Länder-Ebene auf: "Den Aufstieg Chinas habe ich lange unterschätzt", sagt er. Ein Land ohne Informationsfreiheit könnte keinen Wohlstand erreichen, der es mit dem des Westens aufnehmen kann, dachte Wallwitz. Das erwies sich als Fehleinschätzung. "Heute unterschätze ich China hoffentlich nicht mehr", sagt er. Im Gegenteil: "Insgeheim hoffe ich, China mittlerweile zu überschätzen." Wohlhabender ist das Land zwar in der ablaufenden Dekade geworden, liberaler aber nicht.

"Wofür ich sonst noch keinen Plan hatte, darüber schweige ich an dieser Stelle", erklärt Wallwitz – und beweist Humor, indem er zugleich auf die Euro-Krise, den Brexit und Donald Trumps Wahlsieg verweist. Trotz der vielen Überraschungen hat der größte und älteste Fonds bei Eyb & Wallwitz, der Phaidros Funds - Balanced, in den vergangenen zehn Jahren nach Kosten im Schnitt rund sieben Prozent Rendite pro Jahr gebracht, betont der Vermögensverwalter. "Unser Plan für die nächste Dekade lautet, zu gewinnen", sagt er. "Nicht mehr und nicht weniger." (fp)