Frauen haben beim jüngsten Urnengang in den USA den Ausschlag gegeben: Sie haben überwiegend den Demokraten Joe Biden gewählt. Eine gute Entscheidung, findet Georg von Wallwitz, Gründer der Investmentboutique Eyb & Wallwitz und Manager der Phaidros-Fonds: "Sie wollen – anders als die Männer, die mehrheitlich für den Amtsinhaber gestimmt haben – einen Präsidenten, der den Staat nicht aushungert, der auf einen gepflegten Umgangston achtet und das Gesundheitswesen etwas ernster nimmt", sagt er.

Wofür die US-Wählerinnen noch gestimmt haben, ist indes bislang unklar. "Die Sitzverteilung im Parlament ist weit davon entfernt, der neuen Regierung das Durchregieren zu ermöglichen", gibt Wallwitz zu bedenken. Er zieht daraus den Schluss, dass die Amerikanerinnen zwar Trumps Regierungsstil nicht mochten – seine Politik bei ihnen aber im Grunde recht gut ankam.

Wirft die Fed die Druckerpressen an?
Klar ist: Biden benötigt viel Geld, um Projekte wie den geplanten "Green Deal" zu finanzieren. Mit Steuererhöhungen dürfte das angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Senat kaum zu machen sein. Eine – wenn auch eher fantasielose – Möglichkeit wäre laut Wallwitz, das Defizit über die Geldschöpfung der Zentralbank zu finanzieren. "Es spricht einiges dafür, Schulden aufzunehmen, wenn die Zinsen niedriger sind als das Wirtschaftswachstum. Doch ein Haushaltsdefizit, gekoppelt mit einem Leistungsbilanzdefizit, ist mittelfristig keine gute Kombination", warnt der Vermögensprofi.

Eine Ausweitung der Geldmenge zieht auf mittlere Sicht oft höhere Inflationsraten nach sich. Wallwitz betrachtet diese Option deshalb skeptisch, auch wenn eine höhere Teuerung nicht immer etwas Schlechtes ist. "Was auch immer passiert: Inflation ist kein Schicksal, dem ein Investor wehrlos ausgeliefert ist", sagt er. "Weitblick, umsichtiges Risikomanagement und etwas historische Perspektive helfen weiter." (fp)