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Expertin zu Demografie-Fonds: "Wir glauben jeden Tag mehr daran"

Meret Gaugler, Co-Managerin des LO – Golden Age, über den Megatrend demografischer Wandel, die Chancen, die er für Unternehmen mit sich bringt, und die Auswahl der Titel für ihren Fonds.

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Meret Gaugler. Portfoliomanagerin bei Lombard Odier 
© Christoph Hemmerich / FONDS professionell

Meret Gaugler managt gemeinsam mit ihrem Kollegen Johan Utterman seit Anfang 2012 bei Lombard Odier den globalen Aktienfonds LO – Golden Age. Als sie das Portfolio übernahm, schenkten Investoren dem Anlagethema "Überalterung" noch wenig Aufmerksamkeit. Das ändert sich langsam. Die Co-Portfoliomanagerin erklärt im Interview mit FONDS professionell ONLINE, wo sie die Chancen des demografischen Wandels sieht.


Frau Gaugler, der Fonds LO – Golden Age ist 2009 aufgelegt worden, zunächst allerdings als reiner Gesundheitsfonds. Wie kam es später zu dem Strategiewechsel?

Meret Gaugler: Man hat einfach erkannt, dass der Fonds ein viel größeres Thema spielen sollte. Wenn wir uns nur einige Zahlen anschauen, erklärt sich das im Grunde von selbst. Derzeit liegt das weltweite Wirtschaftswachstum bei etwa 3,5 Prozent. Das ist im Vergleich zu früheren Zyklen sehr wenig und die Demografie wirkt heute als Bremse. Aber das Schöne ist, dass die Medaille zwei Seiten hat. So wächst die Zahl der Rentner in vielen Industrieländern dreimal schneller als die der Angehörigen jüngerer Generationen. Ein Grund dafür ist, dass die Babyboomer, also die Vertreter der geburtenstärksten Jahrgänge aller Zeiten, jetzt nach und nach in Rente gehen. In den USA zum Beispiel sind es bis 2030 jeden Tag 10.000 Menschen. Klar ist auch, dass ältere Leute heute im Schnitt finanziell besser gestellt sind als jüngere. Für Unternehmen bestimmter Branchen dürfte es daher eine sehr gute Idee sein, sich an diese wichtige Konsumentengruppe zu wenden.

Welche Branchen sind denn in Ihrem Portfolio vertreten?

Gaugler: Wir haben rund 500 Unternehmen identifiziert, die einen beträchtlichen Teil ihres Umsatzes mit älteren Menschen erzielen, vor allem in den Bereichen Gesundheit, Finanzen und Konsumgüter. Dabei unterscheiden wir zwischen Basis-Konsumgütern wie Ernährung und Nicht-Basis-Konsumgütern wie Luxusartikel, Reisen oder Kosmetika. Wir sind überzeugt davon, dass Unternehmen, die sich an eine ältere Klientel richten, schneller und nachhaltiger wachsen werden als solche, die am breiten Markt agieren. Demografie bietet zudem deutlich mehr Chancen als viele andere Megatrends.

Welche genau erkennen Sie?

Gaugler: Das Thema funktioniert zum Beispiel unabhängig vom Wirtschaftszyklus. Dies liegt daran, dass ältere Leute meist über gute finanzielle Puffer verfügen. Daher konsumieren sie auch in Krisenzeiten weiter. In solchen Phasen richten wir unser Portfolio zwar defensiver aus, gewichten also etwa die Titel aus dem Gesundheitsbereich stärker. Aber sogar offensivere Werte leiden tendenziell in schwierigeren Zeiten weniger, wenn sie sich an eine ältere Klientel richten. Und wenn es wieder aufwärtsgeht, profitieren "Golden Age"-Unternehmen oft überdurchschnittlich. Zudem haben wir es mit einem Trend zu tun, der erst begonnen und noch 15 bis 20 Jahre anhalten wird. Wir glauben jeden Tag mehr daran.

Und wie wählen Sie die Titel für Ihren Fonds aus?

Gaugler: Das ist ein dreistufiger Prozess. Im ersten Schritt schauen wir, ob ein Unternehmen wirklich klar die ältere Generation fokussiert. In Japan beispielsweise gibt es bekanntlich immer weniger Erwerbstätige. Daher werden Roboter entwickelt, die Arbeitskräfte ersetzen sollen. Dieser Trend hat natürlich auch mit dem demografischen Wandel zu tun, aber die Unternehmen setzen für unseren Geschmack noch nicht gezielt genug darauf. Für uns muss die Strategie pur sein. Im zweiten Schritt unseres Investitionsprozesses prüfen wir natürlich, ob ein Unternehmen stabil aufgestellt ist, etwa gute Cashflows erwirtschaftet, und wir sprechen mit dem Management-Team. In einem dritten Schritt suchen wir nicht nur "Golden Age"-Unternehmen und gute Firmen, sondern auch gute Anlagen. Das heißt, wir passen unsere Sektoren- und Sub-Sektor-Gewichtung schon mal an unsere Marktsicht an.

Vielen Dank für das Gespräch. (am)


Einen ausführlichen Bericht über Demografie-Fonds lesen Sie in der gerade erschienen Heftausgabe 2/2018 von FONDS professionell.

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