Jürgen Stark macht seinem Ärger Luft: Zusammen mit einer Reihe prominenter Ex-Notenbanker greift er die Geldpolitik des scheidenden Chefs der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, an. Der deutsche Ökonom, der von 2006 bis 2012 Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) war, hat ein Memorandum unterzeichnet, das die andauernde Niedrigzinspolitik Draghis scharf kritisiert. "Als ehemalige Zentralbanker und als europäische Bürger beobachten wird den anhaltenden Krisenmodus der EZB mit wachsender Sorge", zitiert "Spiegel Online" aus der Streitschrift.

Die Autoren – neben Stark unter anderem der ehemalige EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing, Ex-Bundesbankchef Helmut Schlesinger und der ehemalige Chef der niederländischen Zentralbank, Nout Welling – gehören zu den sogenannten geldpolitischen Falken. Damit stehen sie tendenziell für eine eher restriktive Geldpolitik, die insbesondere die Inflation in Schach halten will. So kritisieren sie den Plan der EZB, bald wieder Staatsanleihen im großen Stil aufzukaufen. "Es liegt der Verdacht nahe, dass dahinter die Absicht steckt, hochverschuldete Regierungen vor einem Anstieg der Zinsen zu bewahren", schreiben sie.

Wie geht es weiter mit der EZB?
Draghi wird Ende Oktober von seiner Nachfolgerin Christine Lagarde abgelöst. Der EZB-Präsident hatte in seiner rund achtjährigen Amtszeit die Leitzinsen auf Null gesenkt und mit einem Anleihekaufprogramm versucht, die Eurokrise in den Griff zu bekommen. Über die künftige Linie der Notenbank herrscht im EZB-Rat Uneinigkeit – mit dem Memorandum von Stark und seinen Mitautoren erhalten die Draghi-Gegner Unterstützung. (fp)