Vor nunmehr 20 Jahren wurde das Euro-Bargeld eingeführt. Inzwischen umfasst die Eurozone 19 Mitglieder, mehr als 340 Millionen EU-Bürger begleichen ihre Rechnungen und erhalten ihren Lohn wie selbstverständlich in Euro. Dass sich die Gemeinschaftswährung absehbar auf weitere Länder ausdehnen könnte, hält Wirtschaftsprofessor Otmar Issing für kaum realistisch.

"Im Moment sieht es nicht so aus, dass der Euro sich verbessern würde, wenn da noch mehr Länder teilnehmen", sagte Issing im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) auf einer Veranstaltung anlässlich des Jahrestags. Einzelne Länder sind ihm zufolge noch nicht hinreichend auf die Einführung vorbereitet. "Es muss aber dauerhafte Stabilität gewährleistet sein. Es reicht nicht, sich hübsch zu machen für den Moment der Hochzeit und danach wieder in alte, schlechte Gewohnheiten zurückzuverfallen", mahnte der Würzburger Wirtschaftsprofessor und ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB).

Mit Ausnahme von Dänemark haben sich alle EU-Staaten grundsätzlich dazu verpflichtet, den Euro einzuführen. Dafür müssen aber zunächst einige klar formulierte Voraussetzungen wie Preisstabilität und solide Staatsfinanzen stimmen. Weil das nicht überall gegeben ist, unterhalten acht der 27 EU-Mitglieder weiterhin eine eigene Landeswährung. Zuletzt hatte sich vor sieben Jahren Litauen dem Euro-Bündnis angeschlossen. Kroatien und Bulgarien, seit einigen Jahren emsig um die Aufnahme in den Währungsclub bemüht, konnten die Kriterien bislang nicht erfüllen. Beim EU-Mitglied Schweden indes verhindert bislang die ablehnende Haltung in der Bevölkerung den Euro-Start.

Heterogenität schon jetzt problematisch
Issing sieht in der Heterogenität der Länder und damit auch der Interessen schon jetzt ein "riesiges Problem" für die gemeinsame Geldpolitik, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Insbesondere die dominante Rolle des Kaufs von Staatsanleihen stellt demzufolge die nationalen Belange und somit Interessenkonflikte in den Vordergrund. (fp/ps)