Bitcoin und andere Kryptowährungen sind kein digitales Geld, sagt Carl-Ludwig Thiele, bis vor Kurzem Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank. Die Bezeichnung "Geld" setzt für ihn voraus, dass drei Kriterien erfüllt sind: die Wertaufbewahrungs-, die Tausch- sowie die Recheneinheitsfunktion. Im Gegensatz zu anerkannten Währungen würden Kryptowährungen keines dieser Kriterien erfüllen, sagt Thiele. "Wegen der hohen Wertschwankungen eignet sich Bitcoin nicht zur Wertaufbewahrung. Investoren müssen jederzeit mit hohen Verlusten bis hin zum Totalverlust rechnen."

Auch die Tauschfunktion, die echte Währungen auszeichnet, wird de facto nicht erfüllt, weil Kryptowährungen bislang nur von sehr wenigen Zahlungsempfängern akzeptiert werden. "Zudem ist die Zahlungsabwicklung in solchen Netzwerken bislang zu langsam und zu teuer", sagt Thiele. Mittlerweile müssen Zahler sogar Gebühren entrichten, um Transaktionen einigermaßen zügig abwickeln zu können.

Die Recheneinheitsfunktion vermisst Thiele ebenfalls. "Selbst bei den Akzeptanzstellen von Kryptowährungen wird nicht in Einheiten von digitalen Coins gerechnet, sondern in Euro und anderen Währungen", sagt er.

Bitcoin besitzen keinen intrinsischen Wert
Die Bundesbank lehnt die Bezeichnung "digitales Geld" für Bitcoin und andere Kryptowährungen rundweg ab und spricht stattdessen von Krypto-Token, also digitalen Wertmarken. "Krypto-Token kann man als eine Art digitales Guthaben betrachten, das zum Beispiel im Tausch gegen Euro erworben werden kann", so Thiele. Es wird in einer digitalen Geldbörse gespeichert und kann von dort aus über das Peer-to-Peer-Netzwerk zu anderen digitalen Geldbörsen transferiert werden. "Der Wert von Krypto-Token wird durch Angebot und Nachfrage bestimmt", sagt Thiele. Sie besitzen somit keinen intrinsischen Wert, sondern nur einen Tauschwert und sind deshalb besonders anfällig für Wertschwankungen. "Insofern stellt sich auch immer die Frage, was das Guthaben tatsächlich wert ist", sagt der Bundesbank-Vorstand. (fp)