Patricia Kasandziev, die im Juni 2025 von der Spitze der Bank99 zurücktrat, ist nun Länderverantwortliche für Österreich bei der Europäischen Zahlungsinitiative EPI (European Payments Initiative). Das teilt die Finanzexpertin auf dem Karrierenetzwerk Linkedin mit.

In ihrer neuen Rolle als Country Lead Austria werde sie gemeinsam mit den beteiligten Banken das digitale Zahlungsmittel Wero in Österreich einführen. Sie sehe in einer einheitlichen Zahlinfrastruktur "großes Potenzial besonders für Österreich und die CEE-Region", so Kasandziev, die auf die bisher fragmentierten Lösungen hinwies.  

Europäische Echtzeit-Bezahllösung
EPI ist ein Zusammenschluss europäischer Banken und Zahlungsdienstleister mit dem Ziel, gemeinsam eine einheitliche europäische Echtzeit-Bezahllösung einzuführen: das Wero-System. Wero soll eine Alternative zu internationalen Anbietern wie Visa, Mastercard, Applepay oder Paypal sein, an denen man derzeit in Europa beim digitalen Bezahlen nicht vorbeikommt.

Anfang der Woche kündigten die österreichischen Institute Erste Group, Raiffeisen Bank International (RBI) sowie die Raiffeisenlandesbanken Niederösterreich-Wien, Oberösterreich und Steiermark an, sich bei der EPI als Aktionäre zu beteiligen. Die RBI hatte dort schon davor den Status eines Serviceunternehmens für Unternehmenskunden (Acceptor Payment Service Provider, PSP). Die jeweiligen Aufsichtsgremien müssen der Beteiligung noch zustimmen.

Nicht alle sind dabei
Die Entwicklung von Wero verläuft alles andere als rasant. Die nun bekannt gewordene Teilnahme der fünf österreichischen Institute erfolgt ein Jahr nachdem die Bundessparte Bank und Versicherung in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) angekündigt hatte, die Branche prüfe ein Mitwirken. Zumindest sagen nun die größten Banken des Landes zu. Bei einer Wero-Einführung bekäme damit immerhin ein Großteil der österreichischen Bankkunden Zugang.

Auch die Volksbanken würden den Wero einführen, betonte eine Sprecherin nach Redaktionsschluss. Alle Verbundbanken würden teilnehmen. "Das Implementierungsprojekt wurde bereits gestartet", so die Sprecherin.

Wie auf der Homepage von Wero hervorgeht, steht die neue Bezahllösung Verbrauchern europaweit erst bei 36 Banken oder Bankengruppen offen. Gut ist die Lage demnach in Belgien, Frankreich und Deutschland, wo zwar ebenfalls nicht alle, aber die größten Geldhäuser beteiligt sind. Damit können dort laut Angaben der Initiative theoretisch 75 Prozent der Kunden Wero nutzen. 

Digitaler Euro als Konkurrenz
Am Ende sind die Bemühungen der Banken, eine gemeinsame privatwirtschaftliche europäische Lösung aufzustellen, auch der Versuch, sich gegen den digitalen Euro zu wappnen. Die Europäische Kommission arbeitet seit mehreren Jahren an dessen Einführung. Für die Banken ergeben sich daraus Wettbewerbsfragen. Der Digitale Euro soll sowohl im E-Commerce als auch im stationären Handel oder zwischen Privatpersonen als Alternative zum physischen Bargeld genutzt werden können. Geplant ist, dass jeder Bürger eine gewisse Menge an Giralgeld in digitales Zentralbankgeld umwandeln kann, worin die Banken eine Gefahr für ihre eigene Liquidität sehen. (eml)

Update: Stellungnahme Volksbanken