EU-Kommissar warnt: "Europa steht vor einem stagflationären Schock"
Der Iran-Krieg belastet die wirtschaftlichen Aussichten Europas zunehmend. EU-Kommissar Valdis Dombrovskis rechnet mit steigender Inflation und schwächerem Wachstum – sieht die EU aber besser vorbereitet als in früheren Krisen.
EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis hat vor den gravierenden Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die Europäische Union gewarnt. "Steigende Energiepreise betreffen alle Akteure in der europäischen Wirtschaft, sowohl Unternehmen als auch Haushalte – sie drängen die EU-Wirtschaft auf einen Pfad schwächeren Wachstums und höherer Inflation", sagte er am Montag (4.5.) vor Reportern. "Europa steht vor einem stagflationären Schock."
Eurogruppe zeigt sich etwas optimistischer
Neben ihm in Brüssel bemühte sich Eurogruppen-Chef Kyriakos Pierrakakis um eine optimistischere Darstellung der Lage. "Wir befinden uns in einer stagflationären Tendenz, das heißt, wir korrigieren unsere Wachstumsprognosen nach unten und die Inflationsprognosen nach oben", sagte er. "Aber wir befinden uns derzeit nicht in einem vollständigen stagflationären Modus."
EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte in der vergangenen Woche erklärt, der Begriff Stagflation gehöre in die 1970er Jahre und sollte nicht zur Beschreibung der aktuellen Lage im Euroraum verwendet werden.
Neue Prognosen im Anmarsch
Die Europäische Kommission wird in diesem Monat neue Wirtschaftsprognosen veröffentlichen. "Die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen werden davon abhängen, wie sich der Konflikt entwickelt, insbesondere von seinen Folgen für Energieversorgung und Infrastruktur", erklärte Dombrovskis. "Positiv ist, dass unsere Volkswirtschaften heute besser darauf vorbereitet sind, einen Energieschock zu verkraften, als 2022."
Spielraum für Hilfen begrenzt
EU und EZB betonen weiterhin, dass staatliche Unterstützungsmaßnahmen für Haushalte und Unternehmen zeitlich befristet, zielgerichtet und maßgeschneidert sein müssen. "Unser Handlungsspielraum ist heute bereits begrenzter – aufgrund höherer Defizite und Schuldenstände, eines höheren Zinsumfelds und des dringenden Bedarfs an zusätzlichen Verteidigungsausgaben", sagte Dombrovskis. "Wir können es uns schlicht nicht leisten, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen." (mb/Bloomberg)















