Der Brexit hat Großbritanniens Wirtschaft hart getroffen. Schon jetzt, gerade einmal hundert Tage nach dem EU-Austritt, zeigen sich die ersten negativen Auswirkungen. Ein Ende ist laut Tobias Burggraf, Portfoliomanager bei Ethenea, nicht in Sicht. "Nach jüngsten Berechnungen der Europäischen Kommission wird der Schaden für die britische Wirtschaft bis Ende 2022 auf mehr als 40 Milliarden Pfund beziffert", sagt der Finanzprofi. Das entspräche bei einem Bruttoinlandsprodukt von knapp drei Billionen Pfund etwa einem Rückgang von 2,25 Prozent. Zum Vergleich: Für die EU-Staaten erwarten Experten einen Rückgang des BIP in Folge der Corona-Pandemie von durchschnittlich 0,5 Prozent.

Schuld an den harten wirtschaftlichen Folgen des Brexits ist laut Fondsmanager Burggraf vor allem der erhöhte bürokratische Aufwand, der trotz Freihandelsabkommen insbesondere die Handelsbeziehungen belastet. Britische Unternehmen müssen zum Beispiel nachweisen, dass in die EU exportierte Waren überwiegend im eigenen Land produziert wurden. Zusätzliche Gesundheits- und Sicherheitskontrollen sowie Mehrwertsteuern auf Importe erschweren zunehmend den Handel. 

Pfund gibt einen Hauch von Hoffnung
Auch für die Londoner Finanzbranche war der Brexit ein Schock. Der einst größte Finanzplatz Europas kämpft heute gegen einen wahren Exodus der Banken und Finanzdienstleister. "Der Aktienhandel hat sich quasi über Nacht nach Kontinentaleuropa verschoben, insbesondere nach Amsterdam und Paris, während der Derivatehandel zum größten Teil nach New York gewandert ist", sagt Burggraf.

Immerhin: Das britische Pfund konnte trotz Startschwierigkeiten seit dem EU-Austritt gegenüber dem Euro deutlich zulegen. Das hänge zum einen mit der deutlich erfolgreicheren Impfkampagne in Großbritannien zusammen, erklärt der Ethenea-Profi. Zum anderen stütze die verschwundene Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Brexit die Währung. Insgesamt ist es jedoch ein schwacher Trost, wenn man bedenkt, "dass die Erholung des Pfunds von einem historisch extrem niedrigen Niveau ausgegangen ist und von den Vor-Brexit Niveaus von über 1,40 Euro noch weit entfernt ist", sagt Burggraf. (fp)