Kern der Value-Strategie ist die Annahme, dass ein Unternehmen einen inneren Wert besitzt und dass der Markt diesen inneren Wert früher oder später erkennen wird. An der Richtigkeit dieser Annahme kann man allerdings berechtigte Zweifel anmelden, sagt Christian Schmitt, Portfoliomanager bei Ethenea. "Nichts ist ohne Grund günstig", betont er. Man könne mit Recht fragen, warum sich ein Abschlag auf den inneren Wert einer Aktie in Zukunft nivellieren oder sogar in eine Prämie auf den fairen Wert verwandeln sollte.

Die Warnung des Ethenea-Managers vor dem Value-Ansatz bedeutet nicht, dass er sich auf die Seite der Growth-Fans stellt. Auch bei Anlagestrategien, die auf Wachstum setzen, sieht er ein Problem. So verweisen Growth-Anleger gern auf die disruptive Kraft der heutigen Wachstumsstars, etwa am Beispiel des E-Auto-Herstellers Tesla. Wachstumsunternehmen haben sich aber teils nach oben hin von ihrem inneren Wert entkoppelt, argumentiert Schmitt. Das dürfte zu heftigen Kurskorrekturen führen, wenn die Firmen das vom Markt eingepreiste Wachstum nicht liefern können.

Flexibilität statt Grabenkämpfe
Weder Value-Aktien noch Wachstumstitel seien pauschal gute oder schlechte Investments, resümiert Schmitt. "Mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen beider Anlagestile im Hinterkopf kann man die gröbsten Fehler umgehen." Der Ethenea-Manager weist darauf hin, dass nahezu alle Bereiche der Wirtschaft aktuell eine tiefgreifende Transformation durchlaufen, die Gewinner und Verlierer hervorbringt. Anleger sollten in diesem Umfeld flexibel bleiben, mahnt er. Wenn sie stattdessen an vermeintlichen Gewissheiten festhalten, laufen sie Gefahr, sich in eine Ecke zu manövrieren, aus der sie nicht mehr herausfinden. (fp)