Nachhaltigkeitskriterien anzuwenden kann das Risiko-Rendite-Profil eines Investments verbessern, argumentieren ESG-Fans gern. Das stimmt allerdings nur zum Teil, zeigt eine aktuelle Studie von Franklin Templeton. Vor allem auf der Renditeseite war der Effekt von ESG-Kriterien in der Untersuchung so schwach, dass er statistisch nicht signifikant ist. Was dagegen tatsächlich zutrifft: Wer in nachhaltige Unternehmen investiert, kann die Volatilität seines Portfolios spürbar senken. "Unsere Forschung kommt zu dem Schluss, dass es noch nicht genügend Beweise gibt, um ESG eindeutig als einen fundamentalen Faktor zu definieren, der auf der Erwartung einer Überrendite basiert", fasst der Fondsanbieter zusammen. "Allerdings weist ESG positive Risikoeigenschaften und niedrige Korrelationen zu traditionellen fundamentalen Faktoren auf."

Ein Problem ist die nach wie vor fehlende Standardisierung von ESG-Anlagen. So kommen etwa auf Nachhaltigkeit spezialisierte Ratingagenturen zu höchst unterschiedlichen Ergebnissen, weil sie mit fehlenden Unternehmensdaten unterschiedlich umgehen. Tendenziell werden Unternehmen, die viele Daten veröffentlichen, belohnt und schneiden in ESG-Ratings besser ab. "Das Ergebnis dieser Verzerrung ist, dass ein einfaches Portfolio, das aus Unternehmen mit den höchsten ESG-Bewertungen besteht, typischerweise einen höheren Anteil an Large-Cap-Unternehmen enthält als die Benchmark", erklärt Franklin-Templeton-Experte Chandra Seethamraju. Darüber hinaus haben europäische Werte in ESG-Portfolios üblicherweise ein überproportional hohes Gewicht.

Firmen nicht über einen Kamm scheren
Die Anlageexperten des Asset Managers weisen darauf hin, dass nicht alle ESG-Kriterien für alle Unternehmen gleich bedeutsam sind. So haben etwa die CO2-Emissionen einer Firma einen deutlichen Einfluss auf die Rendite, wenn sie in einer Branche mit hohem Materialeinsatz aktiv ist. Bei Dienstleistern wirkt sich die Höhe der Emissionen dagegen kaum auf die risikobereinigte Rendite aus.

Ähnlich sieht es bei anderen Faktoren aus: Bilden Finanzunternehmen ihre Mitarbeiter sorgfältig aus und weiter, weisen sie eine niedrigere Volatilität auf. Bei Industrieunternehmen spielen Fortbildungen und ähnliche Maßnahme zur "Entwicklung des Humankapitals" bei der Schwankungsintensität dagegen kaum eine Rolle. Seethamrajus Fazit: "Ein pauschaler Ansatz für nachhaltiges Investieren wird wahrscheinlich zu kurz greifen." (fp)