Es ist nur ein kleiner Rückgang, er könnte aber angesichts erwarteter Konjunktureintrübungen Signalfunktion haben: Weltweit ließen die privaten Geldvermögen im Jahr 2018 um 0,1 Prozent auf 172,5 Billionen Euro nach. Laut den Angaben, die aus dem neuen "Global Wealth Report" der Allianz hervorgehen, handelt es sich um die erste Abschwächung seit dem Finanzkrisenjahr 2008. Während es für fortgeschrittenen Märkte das dritte Minus in diesem Jahrhundert war (2008 und 2002), war es für die Emerging Markets eine "Negativpremiere".

Emerging-Market-Story neu schreiben?
Angesichts dessen stellt der Report zur Diskussion, ob man den Narrativ aufholender Emerging Markets neu schreiben muss: Die Schließung der Kluft zwischen reicheren und ärmeren Regionen scheint zum Stillstand gekommen zu sein. Die Brutto-Geldvermögen sind 2018 in den Schwellenländern nicht nur das erste Mal zurückgegangen, der Rückgang fiel zudem mit -0,4 Prozent auch stärker aus als in den Industrieländern (-0,1 Prozent). Maßgeblich verantwortlich war die schwache Entwicklung in China, wo die Vermögen um 3,4 Prozent fielen. Im Durchschnitt der letzten beiden Dekaden hatte der Wachstumsvorsprung der Schwellenländer bei 11,2 Prozentpunkten gelegen. Wirtschaftliche Auseinandersetzungen haben den Weg in die "reiche Welt" für die Schwellenländer viel schwieriger gemacht, warnen die Studienautoren.

"Die Demontage der regel-basierten globalen Ordnung ist Gift für den Vermögensaufbau", sagt Michael Heise, Noch-Chefvolkswirt der Allianz. Weltweit seien Anleger in einer Zwickmühle: Auf der einen Seite der eskalierende Handelskonflikt zwischen den USA und China, die endlose "Brexit-Saga" und zunehmende geopolitische Spannungen, auf der anderen Seite die Verschärfung der monetären Bedingungen und die angekündigte Normalisierung der Geldpolitik. "Handel ist kein Nullsummenspiel. Entweder gewinnen alle oder es verlieren alle wie im letzten Jahr. Ein aggressiver Protektionismus kennt keine Gewinner", so Heise.

Keine Lust auf Versicherungen
Der Report zeigt zudem, dass es beim Einsatz des Finanzvermögens im vergangenen Jahrzehnt zu einem Wandel kam: Sparer wenden sich von der Anlageklasse Versicherungen und Pensionen ab. Ihr Anteil an den gesamten Ersparnissen ist von rund 60 Prozent nach der Krise auf nur noch 25 Prozent im Jahr 2018 gesunken. Dagegen werden Bankeinlagen favorisiert.    

Wertpapiere schienen hingegen zuletzt auf den ersten Blick vom Niedrigzinsumfeld zu profitieren. Ihr Anteil an den gesamten Zuflüssen stieg 2018 um zwei Prozentpunkte auf 29 Prozent. Diese Entwicklung ist jedoch ausschließlich auf die Situation in den USA zurückzuführen. Andere Sparer sind deutlich vorsichtiger, sei es in Europa, Japan oder Australien: Die privaten Haushalte verkauften 2018 netto Wertpapiere. Die Bankeinlagen blieben 2018 das mit Abstand beliebteste Ziel für neue Geldvermögen, und zwar das achte Jahr in Folge.

Österreichs Vermögen wuchsen leicht
In Österreich legte das Brutto-Geldvermögen der Haushalte 2018 entgegen dem weltweiten Trend um ein Prozent zu. "Zwar verzeichneten die österreichischen Sparer damit das schwächste Wachstum in den letzten sieben Jahren, aber sie zählten immerhin zu den wenigen europäischen Sparern, die überhaupt einen Zuwachs erzielen konnten", sagt Martin Bruckner, Chief Investment Office der Allianz Gruppe in Österreich. Getragen wurde dieser Zuwachs allein von den Bankeinlagen, die mit 4,9 Prozent nicht nur kräftig stiegen, sondern auch knapp 90 Prozent aller frischen Anlagegelder anzogen.

Die beiden anderen Wertpapierklassen, Wertpapiere wie Aktien und Investmentfonds sowie Versicherungen und Pensionen, gingen um 2,7 Prozent beziehungsweise 0,9 Prozent zurück. Die privaten Verbindlichkeiten stiegen mit drei Prozent wieder etwas stärker als im Vorjahr (1,8 Prozent). Von einem Kreditboom sei Österreich dennoch so weit entfernt wie eh und je: Mit 50,5 Prozent lag die Schuldenstandsquote so niedrig wie seit 15 Jahren nicht mehr. In Westeuropa sind mittlerweile nur die Iren noch Schulden-disziplinierter, der westeuropäische Durchschnitt lag Ende 2018 bei 74,1 Prozent und damit etwa um die Hälfte höher als in Österreich.

Der jährliche Global Wealth Report der Allianz analysiert Geldvermögen und Verschuldung der privaten Haushalte in über 50 Ländern.  (eml)