Österreichische Unternehmer müssen sich seit kurzem vereinzelt mit einem Phänomen auseinandersetzen, das in anderen Ländern schon länger Realität ist: Bei sehr hohen Einlagen werden ihnen nach Beobachtung der Österreichischen Nationalbank (OeNB) erstmals negative Zinssätze in Rechnung gestellt.

Kapitalbindung kostet
Während der kapitalgewichtete Durchschnittszinssatz für täglich fällige Unternehmenseinlagen im Jahr 2018 mit 0,02 Prozent nur noch knapp positiv war, schaffte der Zinssatz für das Neugeschäft von kurzfristig (bis ein Jahr) gebundenen Unternehmenseinlagen die Schwelle nicht: Er lag mit minus 0,09 Prozent (Dezember 2018) erstmals im negativen Bereich. Das geht aus dem aktuellen Bericht zu den Krediten, Einlagen und Zinssätzen bei den heimischen Banken hervor. Trotzdem handle es sich in Österreich "nur um vereinzelte, sehr große Einlagengeschäfte, die mit einem negativen Zinssatz belegt wurden", heißt es darin.
 
In einigen Euroraum-Ländern hingegen sind negative Einlagenzinssätze bei nichtfinanziellen Unternehmen schon seit längerer Zeit ein bekanntes Phänomen. In Deutschland liegen die Zinssätze für neue kurzfristige Unternehmenseinlagen seit März 2016 im negativen Bereich und jene für täglich fällige Einlagen seit November 2016, so die OeNB-Experten.

Private Einlagen nahe dem Rekordtief verzinst
Private Haushalte werden in Österreich von dem Trend auch in Zukunft nicht betroffen sein: Der OGH urteilte, dass Nullzinsen oder sogar negative Zinssätze bei Spareinlagen privater Haushalte nicht möglich sind. In diesem Segment lag der Zinssatz für neue Einlagen mit vereinbarter Laufzeit von bis zu einem Jahr im Dezember 2018 bei 0,21 Prozent und damit nahe seinem historischen Tiefststand (0,19 Prozent).

Laut Nationalbank gab es in keinem Land der Eurozone negative Zinssätze für Privatsparer. Einen detaillierten Vergleich zur Eurozone sehen Sie in den Grafiken oben. (eml)