Die Blockchain fasst am traditionellen Kapitalmarkt Fuß, das verdeutlicht ein weiterer Anwendungsfall. Die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) hat Mitte der Woche einen Kapitalmarktprospekt für die Ausgabe von "tokenisierten" Wertpapieren gebilligt. Damit darf das Wiener Unternehmen Hydrominer IT-Services GmbH Wertpapiere via Blockchain Token ausgeben, die Genussrechte im Ausmaß von bis zu bis zu 75 Millionen Euro einräumen. Für Anleger bedeutet es, dass sie bei einem ICO (Ausgabe von Kryptocoins zur Unternehmensfinanzierung) mit klassischen Anteilseignern gleichgestellt werden.

"Soweit ersichtlich, handelt es sich dabei in der Europäischen Union um den ersten gebilligten Kapitalmarktprospekt für das öffentliche Angebot von Wertpapieren, die auf Basis der Blockchain-Technologie ausgegeben werden", heißt es aus der Wiener Anwaltskanzlei Stadler Völkel, die die Prospektbilligung für den "H3O-Token" des Kryptomining-Start-ups Hydrominer begleitet hat.

"Initial Coin Offerings" (ICOs) häufen sich international – die nationalen Anlegerschützer sind selten begeistert, denn in vielen Fällen verschwinden die auf diese Weise finanzierten Geschäftsmodelle sofort wieder. In der Regel versuchen Kryptowährungsunternehmen dabei, dass sie auf keinen Fall in das strenge Wertpapierrecht kommen. Sie geben sogenannte Utility Token aus, die die Anleger später in Produkte oder Services des Unternehmens eintauschen können, die aber nicht offiziell als "Investment" bezeichnet werden. Der Token von Hydrominer ist hingegen als "Security Token" im Sinne eines echten Investments zu betrachten, der nun auch tatsächlich als Wertpapier angeboten werden darf.

Bis zu zwei Jahre Haft
Die Sache ist rechtlich heikel. Wer etwa in Österreich Genussrechte gewährt, fällt unter das Kapitalmarktgesetz und braucht eine Prospekt-Billigung der FMA. Ohne entsprechendes grünes Licht der Behörde droht nach § 15 KMG eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren, so Rechtsanwalt Oliver Völkel gegenüber FONDS professionell ONLINE.

Bei den von Hydrominer angebotenen tokenisierten Wertpapieren, den H3O-Token, handelt es sich laut Angaben von Stadler Völkel um qualifizierte nachrangige Genussrechte. Die Inhaber der Genussrechte sind schuldrechtlich am Gewinn und Verlust sowie an den stillen Reserven und dem Firmenwert von Hydrominer beteiligt. Hydrominer setzt auf "Green Mining", wobei Wasserkraftwerke als Stromquelle für das energieintensive Schürfen von Kryptowährungen herangezogen werden.

Inhaber von H3O-Token haben neben diesen finanziellen Ansprüchen weiters das Recht, Geschäftsentscheidungen von Hydrominer aktiv mitzugestalten. Dieses Mitspracherecht geht laut den Angaben über jenes von Aktionären hinaus und erlaubt es Anlegern, aktiv in Entscheidungsprozessen mitzuwirken. Daneben sehen die Wertpapierbedingungen eine Art Mitverkaufsrecht für den Fall vor, dass eine qualifizierte Mehrheit der Eigentümer von Hydrominer ihre Geschäftsanteile verkaufen. 

Über Ethereum-Blockchain abgewickelt
In technischer Hinsicht wird die Emission – von der Zeichnung über die Ausgabe bis hin zur Abwicklung von Zahlungen und die Rückzahlung – über die Ethereum-Blockchain abgewickelt. Die H3O-Token dienen als Schlüssel, um sich gegenüber Hydrominer als Wertpapierinhaber auszuweisen. Dies gilt für Auszahlung ebenso wie für die Ausübung der mit dem H3O-Token verbundenen Mitspracherechte.

Eine Zeichnung ist ab 1. Februar 2019 möglich. Das Angebot erfolgt ausschließlich in Österreich und Deutschland auf Basis des am 26. November 2018 gebilligten Kapitalmarktprospekts, der auf der Website von Hydrominer abrufbar ist, heißt es aus der Kanzlei Stadler Völkel. Die Bewilligung der FMA zeige, dass Österreich erste Wahl für Emittenten ist, die überlegen, tokenisierte Wertpapiere in der EU öffentlich anzubieten, so die Anwälte. (eml)