Angesichts der rekordhohen Kursstände in den Aktienindizes wächst die Skepsis der Anleger. Die Angst vor dem Ende des Bullenmarktes und vor einer Rezession ist allgegenwärtig. Gerold Permoser, Anlagechef der Erste Asset Management, geht allerdings davon aus, dass es bei Aktien noch einiges zu holen gibt und dass es sich auszahlt, gerade jetzt investiert zu bleiben.

"Bullenmärkte enden meist mit einem Kursfeuerwerk. Die Analyse der Bullenmärkte seit 1966 zeigt, dass man am Anfang und am Ende das meiste verdienen kann", so Permoser. Die Steigerungen, die man bisher im Jahr 2019 gesehen hat, seien noch kein Feuerwerk gewesen. "Ich glaube, da ist noch was drin", sagte Permoser bei der Präsentation des Ausblickes für das kommende Jahr.

Notenbanken stützen die Konjunktur
Für Aktien spricht freilich nicht nur die historische Betrachtung der Bullenmärkte. Das weitaus wichtigere Argument ist für Permoser, dass die maßgeblichen Notenbanken und Staaten in ihrer Geld-, Fiskal- und Kreditpolitik eine klare Zusage abgeben, die Konjunktur weiter zu stützen. Insbesondere die Kreditpolitik rücke immer mehr in den Vordergrund, während die Zinspolitik, wo die meisten westlichen Industriestaaten ihre Spielräume weitgehend ausgereizt haben, eine untergeordnete Rolle spiele. Selbst in China steuere die Zentralbank zu einem wesentlichen Teil über Kreditvergaben.

Es sei angesichts der Stimuli davon auszugehen, dass sich die Weltkonjunktur moderat erhole. Gleichzeitig seien die Unternehmensgewinne nach wie vor gut. Das Ertragspotenzial bei Aktien liege zwischen sechs und acht Prozent. Es werde auch kommendes Jahr nicht zu einer Rezession kommen.

"Finanzkrise ist nicht mit Rezession zu vergleichen"
Sollte eine Rezession eintreten, sei die Angst vor Abstürzen wie zu Finanzkrisen-Zeiten nicht begründet. "Man muss bedenken, dass die Finanzkrise kein normales Ende eines Bullenmarktes war. Bei einer Rezession kann man für gewöhnlich mit Abschwächungen von 15 bis 20 Prozent rechnen".

Wenngleich es im Anleihensektor weiterhin trist ausschaut, dürfe man sich immerhin längerfristig wieder bessere Rendite-Chancen ausrechnen. "Ich glaube, wir haben die Tiefpunkte erreicht", so Permoser. Die Realzinsen in Deutschland hätten sich seit 2017 auf dem Niveau zwischen Null und minus zwei Prozent eingependelt. Einen weiteren Hinweis auf steigende Zinsen liefern die Einkaufsmanagerindizes, die in der Regel synchron mit den Anleiherenditen verlaufen. Wir glauben, dass die Konjunktur wieder leicht nach oben geht, damit würden auch die Renditen wieder steigen. Insgesamt sei der Rentenmarkt heuer verglichen mit dem Aktienmarkt zu pessimistisch verlaufen.

"Wir werden wieder über Inflation reden müssen"
Die Inflationsrisiken seien derzeit unter Kontrolle. Allerdings könnte sich das ändern. "Wir werden wieder über Inflation reden müssen. Nicht in den nächsten zwei Jahren, aber in einem Zeitraum von zehn Jahren wird das ein Thema sein", prognostiziert Permoser. Der Grund sei ein zunehmender Druck durch steigende Löhne.

Die Ursachen seien vielfältig. Unter anderem spielen dabei nationale Initiativen eine Rolle, Arbeitsplätze zu schützen. Das geschah zum Beispiel in den USA, wo auf Druck von Präsident Donald Trump ausgelagerte Arbeitsplätze zurückgeholt wurden. Ebenso werde die Demografie ihre Wirkung entfalten, da die Erwerbsbevölkerung in den Industrienationen beständig schrumpft. (eml)