Der Goldpreis steht vor dem Ende einer neunwöchigen Gewinnserie, nachdem es in der laufenden Woche zu einer deutlichen Korrektur gekommen ist. Die jüngsten Bewegungen deuten darauf hin, dass der Markt die vorangegangene Rally, die das Edelmetall in überkaufte Bereiche getrieben hatte, neu bewertet.

Trump und Xi im Fokus
Am Freitagmorgen (24.10.) fiel der Preis für eine Feinunze zeitweise auf rund 4.112 US-Dollar, was einem Wochenminus von mehr als drei Prozent entspricht – dem stärksten Rückgang seit Mai. Anleger reagierten auf die Aussichten einer möglichen Annäherung zwischen den USA und China: US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping wollen sich in der kommenden Woche treffen, um den schwelenden Handelskonflikt zu entschärfen. Ein Abkommen könnte geopolitische Spannungen abbauen, die bisher die Nachfrage nach sicheren Anlagen wie Gold gestützt hatten.

Seit Mitte August hatte Gold eine steile Aufwärtsbewegung hingelegt, die den Preis am Montag (20.10.) auf ein Allzeithoch von 4.381,52 Dollar je Feinunze trieb. Bereits am Folgetag setzte jedoch eine deutliche Gegenbewegung ein, als Investoren Gewinne mitnahmen.

Zeitgleich kam es zu erheblichen Abflüssen aus goldgedeckten ETFs, die laut "Bloomberg"-Daten am Mittwoch (22.10.) den größten Rückgang in Tonnen gerechnet seit fünf Monaten verzeichneten.

Strategen erwarten anhaltende Volatilität
"Die Korrektur scheint sich zu stabilisieren, doch die starke Beteiligung von Privatanlegern dürfte die Volatilität weiterhin hoch halten", erklärte Charu Chanana, Strategin bei Saxo Capital Markets. Der nächste technische Widerstand liege bei rund 4.148 Dollar – ein klarer Ausbruch über 4.236 Dollar wäre jedoch nötig, um den Aufwärtstrend wieder zu bestätigen.

Zentralbanken und Inflationssorgen stützen weiter
Seit Jahresbeginn ist Gold um rund 57 Prozent gestiegen. Haupttreiber sind die Käufe von Zentralbanken sowie der sogenannte "Debasement Trade" – bei dem Investoren Staatsanleihen und Fiatwährungen meiden, um sich gegen hohe Haushaltsdefizite und Geldentwertung abzusichern.

Zudem erwarten Marktteilnehmer, dass die US-Notenbank Fed bis Jahresende zwei Zinssenkungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte vornehmen wird. Das steigert die Attraktivität von nicht verzinsten Anlagen wie Gold.

Vor dem jüngsten Rücksetzer hatten technische Indikatoren gezeigt, dass Gold über einen längeren Zeitraum überkauft war. Viele Händler sicherten sich über Optionen gegen weitere Kursschwankungen ab. Die implizite Monatsvolatilität bleibt hoch, nachdem sie Anfang der Woche den höchsten Stand seit 2022 erreicht hatte.

Keine Trendwende, sondern "gesunde Korrektur"
"Wir betrachten den Preisrückgang als gesunde Korrektur und nicht als Trendwende“, schrieben Strategen von ANZ Group Holdings um Soni Kumari in einer Notiz. Zwar seien weitere Rückgänge möglich, doch eine stärkere Korrektur dürfte laut Einschätzung des Instituts neue Käufe von Anlegern und Verbrauchern auslösen, da die fundamentalen Unterstützungsfaktoren intakt bleiben.

Anleger warten nun auf den US-Verbraucherpreisindex (CPI), der am Freitag (24.10.) veröffentlicht werden soll. Der US-Dollar-Index legte vorab leicht zu. Die Daten gelten als erster wichtiger Hinweis auf die wirtschaftliche Lage seit Beginn des US-Shutdowns. (mb/Bloomberg)