Emerging-Markets-ETFs: Strategin warnt vor verdeckten Risiken
MSCI Emerging Markets – das klingt nach breiter Streuung über viele Regionen, Länder und Unternehmen hinweg. Wer Geld in diesen Index steckt, muss sich aber bewusst sein, dass wenige Länder und Unternehmen das Investment dominieren, mahnt Desiree Sauer von Lazard Asset Management.
Passive Investments in Schwellenländern könnten riskanter sein als viele Anleger vermuten. Darauf weist Desiree Sauer, Investmentstrategin bei Lazard Asset Management, in einem Marktkommentar hin. Emerging Markets (EM) würden als breit diversifizierte Anlageklasse mit attraktiven Wachstumschancen gelten. Sauer zufolge unterschätzen viele Anleger jedoch die tatsächlichen Konzentrationsrisiken klassischer EM-Indizes.
"Viele Anleger verbinden Emerging Markets automatisch mit breiter geografischer Diversifikation. In der Praxis sind klassische EM-Indizes heute jedoch deutlich stärker konzentriert als häufig angenommen wird", erklärt Sauer.
Wenige Länder dominieren den Index
Besonders deutlich zeige sich dies beim MSCI Emerging Markets Index, der von vielen ETFs und passiven Investmentlösungen abgebildet werde, so die Anlagestrategin. Zwar umfasse der Index derzeit rund 1.195 Unternehmen aus 24 Ländern, dennoch hätten sich über die Jahre erhebliche Konzentrationen herausgebildet.
Sauer zufolge entfallen inzwischen rund drei Viertel des gesamten Index auf asiatische Schwellenländer. Allein China und Taiwan machten zusammen nahezu die Hälfte des gesamten Index aus. Gemeinsam mit Südkorea und Indien repräsentierten diese vier Länder inzwischen rund drei Viertel des MSCI Emerging Markets Index.
Tech- und Finanzwerte hoch gewichtet
Auch auf Unternehmensebene sei die Konzentration erheblich, mahnt Sauer. Die zehn größten Unternehmen repräsentierten inzwischen rund ein Drittel des gesamten Index. Gleichzeitig entfielen mehr als 50 Prozent auf die Sektoren Technologie und Finanzdienstleistungen.
"Wer heute über klassische ETFs in Emerging Markets investiert, investiert faktisch vor allem in asiatische Technologieunternehmen", betont sie. Große Teile der Emerging-Markets-Welt spielten in klassischen EM-Indizes inzwischen nur noch eine untergeordnete Rolle. Nach Ansicht der Expertin führen diese Konzentrationen dazu, dass viele Anleger mit einem klassischen Emerging-Markets-ETF deutlich stärkere Einzelrisiken eingingen, als ihnen bewusst sei.
"Passive Investments übernehmen geopolitische Risiken automatisch"
Diese hohe Konzentration könne insbesondere in geopolitisch angespannten Marktphasen problematisch werden. Gerade energieimportabhängige Länder wie China, Südkorea oder Indien reagierten empfindlich auf steigende Ölpreise und geopolitische Spannungen, erläutert Sauer. "Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie stark externe Schocks die gesamte Anlageklasse beeinflussen können", erklärt sie. So hätten unter anderem die globale Finanzkrise, Handelskonflikte zwischen den USA und China, die Immobilienkrise in China sowie zuletzt geopolitische Spannungen im Nahen Osten erhebliche Auswirkungen auf Emerging Markets gehabt.
"Passive Investments übernehmen geopolitische Risiken automatisch", warnt Sauer. Vor diesem Hintergrund sieht sie in Schwellenländern aktive Investmentansätze im Vorteil. Eine bewusste Länder-, Sektor- und Titelselektion könne helfen, Risiken besser zu steuern. Hinzu komme, dass die Emerging Markets nach wie vor stärker von Marktineffizienzen, geringerer Transparenz und einer niedrigeren Analystenabdeckung geprägt seien als entwickelte Märkte. "Gerade in den Emerging Markets können aktive Manager strukturelle Verzerrungen gezielt vermeiden und Marktineffizienzen nutzen", ist Sauer überzeugt. (fp)















