Nach dem Crash ist vor der Rally: Starinvestor Mohamed El-Erian setzt derzeit unter anderem auf argentinische Staatsanleihen: "Ihre Kurse sind zuletzt so stark gefallen, manche bis zu 70 Prozent, dass die Papiere wieder attraktiv sind", sagte El-Erian im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS). "Aber solche Strategien eignen sich natürlich nicht für jeden", schränkt der Investor mit Blick auf die Risiken solcher Papiere ein.

Der Starinvestor warnte in dem Interview gleichzeitig davor, dass die Börsen weltweit weniger auf Basis fundamentaler Daten, sondern vor allem dank des billigen Geldes der Notenbanken gut laufen und man schwer abschätzen könne, wie lange dieser positive Trend noch anhalte. Zudem kritisierte er die Notenbankpolitik auch mit Blick auf die Realwirtschaft: Auf Dauer seien Negativzinsen kontraproduktiv. "Man muss sich immer wieder klarmachen, was langfristig negative Zinsen in der Praxis bedeuten: Sie können sowohl einer Stärkung des Wachstums als auch der Finanzstabilität entgegenwirken", sagte El-Erian. Moderne Volkswirtschaften seien nicht dafür gemacht, längere Zeit unter dem Einfluss von Negativzinsen zu funktionieren.

Aktienquote reduziert
Der Investor hat für sein privates Depot die Aktienquote zuletzt reduziert und seinen Anteil an Cash erhöht. "Den Rest habe ich zum Beispiel als Risikokapital für Start-ups zur Verfügung gestellt", sagte El-Erian. Er sieht sich mit Blick auf andere Anlage-Profis in guter Gesellschaft: "Viele verkaufen nach und nach Aktien und Anleihen, halten einen Teil in Bargeld und investieren zum Beispiel in Finanzinstrumente, die den direkten Zugang zur Realwirtschaft ermöglichen, etwa Instrumente zur privaten Kreditvergabe." (fp)