"Ein Spiel auf Zeit kann teuer werden": Stimmen zum EZB-Entscheid
Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen am Donnerstag unverändert gelassen. Wie bewerten Experten die Entscheidung und die Ausführungen der Währungshüter? FONDS professionell ONLINE hat die wichtigsten Stimmen für Sie zusammengestellt.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen unverändert gelassen und signalisiert, dass sie mehr Zeit benötigt, um die wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Kriegs zu bewerten. Der Einlagensatz bleibt bei 2,0 Prozent und liegt damit weiter auf dem Niveau von Juni 2025. Dies entspricht den Erwartungen aller von "Bloomberg" im Vorfeld befragten Analysten. Die EZB bekräftigte, weiterhin von Sitzung zu Sitzung auf Basis eingehender Daten zu handeln.
Aufwärtsrisiken und Abwärtsrisiken
"Die Aufwärtsrisiken für die Inflation und die Abwärtsrisiken für das Wachstum haben sich erhöht", schrieben die Währungshüter am Donnerstag (30.4.) in ihrer Mitteilung zur Zinsentscheidung. "Der EZB-Rat ist fest entschlossen, seine Geldpolitik so auszurichten, dass sich die Inflation mittelfristig beim Zielwert von zwei Prozent stabilisiert."
Seit Beginn des Krieges betonen die Währungshüter, sie würden entschlossen handeln, sollte die Inflation Anzeichen einer Beschleunigung zeigen. Die bislang vorliegenden Daten haben sie jedoch nicht überzeugt. Die Federal Reserve hielt am Mittwoch (29.4.) ebenfalls still, und auch die Bank of England entschied sich am Donnerstagmittag gegen eine Änderung.
Kurz vor der Zinsentscheidung veröffentlichte Daten zeigen, dass das Bruttoinlandsprodukt im Euroraum im ersten Quartal lediglich um 0,1 Prozent gewachsen ist – was Befürchtungen einer Stagflation nährt. Die Inflation lag im April bei 3,0 Prozent, wie die Statistikbehörde Eurostat ebenfalls am Donnerstag mitteilte.
"Mögliche Zinserhöhung diskutiert"
EZB-Präsidentin Christine Lagarde signalisierte bei der Pressekonferenz, dass die EZB im Juni eine mögliche Zinserhöhung prüfen wird, nachdem die Währungshüter eine solche Maßnahme am Donnerstag diskutiert und verworfen haben. "Wir haben eine fundierte Entscheidung auf der Grundlage noch unzureichender Informationen getroffen", sagte Lagarde. "Wir haben die Entscheidung, die wir heute einstimmig getroffen haben, erörtert, aber wir haben auch ausführlich und eingehend eine mögliche Zinserhöhung diskutiert."
Auf die Frage, ob die Sitzung im Juni eine Zinserhöhung bringen wird, erklärte sie, die kommenden sechs Wochen "werden der richtige Zeitpunkt sein", um die Wirtschaft zu bewerten, "um auf Grundlage geprüfter und überarbeiteter Informationen eine fundierte Entscheidung zu treffen".
"Inflation im Euroraum würde weiter zunehmen"
"Sollten die Energiepreise stärker und länger steigen als derzeit erwartet, würde die Inflation im Euroraum weiter zunehmen", so Lagarde. "Dies könnte verstärkt werden und anhaltender werden, wenn höhere Energiepreise stärker als erwartet auf andere Preise und auf Löhne übergreifen, wenn die längerfristigen Inflationserwartungen infolgedessen steigen oder wenn globale Lieferketten umfassender gestört werden."
Umfragen deuteten "auf ein sich abschwächendes Wachstum hin, und Verbraucher sowie Unternehmen sind seit Beginn des Krieges weniger zuversichtlich in Bezug auf die Zukunft geworden", so die EZB-Präsidentin weiter. Mit Blick nach vorn dürften hohe Energiekosten die realen Einkommen weiterhin belasten und damit die Bereitschaft von Haushalten und Unternehmen dämpfen, zu konsumieren und zu investieren.
Ausgewählte Kommentare
Wie blicken Ökonomen und Anlagestrategen auf die Ergebnisse der Zinssitzung? FONDS professionell ONLINE hat die wichtigsten Aussagen aus ausgewählten Kommentaren in der Bildergalerie oben für Sie zusammengetragen. Einfach durchklicken! (Bloomberg/ohm)















