Viele Wirtschaftskammer-Obleute drehen in ihrer Funktion eine Ehrenrunde. Nachdem die Wirtschaftskammermitglieder in der ersten Märzwoche ihre offiziellen Vertreter für die kommenden fünf Jahre gewählt haben, können die neuen Organe nicht zu arbeiten beginnen. Sämtliche Sitzungen der Fachgruppen wurden auf unbestimmte Zeit verschoben – und damit auch die konstituierenden Ausschussitzungen für die persönliche Anwesenheit erforderlich ist.

Eine Sprecherin der Wirtschaftskammer Österreich sagt zwar, die Fachorganisationen und Kammern seien "voll handlungsfähig". In der Praxis ist die Situation aber nicht ganz so einfach. Wo tatsächlich nötige Entscheidungen anstehen, müssen die nämlich vertagt oder können nur behelfsmäßig auf den Weg gebracht werden. "Dringende Angelegenheiten werden per Umlaufbeschluss bewältigt", schildert etwa Finanzdienstleister-Obmann Hannes Dolzer. Eine der Herausforderungen am Umlaufbeschluss, der die Stimmen per Mail einsammelt: Er muss einstimmig sein.

Besetzung für die Fachverbandsausschüsse im Oktober
Neue Fachverbandsobleute dürfte es jedenfalls nicht vor dem Herbst geben. Laut der WKÖ-Sprecherin wurde die Einreichfrist für die Besetzung der Fachverbandsausschüsse auf Oktober verlegt. Nicht aufgeschoben werden soll hingegen die Wahl der Spartenorgane und Wirtschaftsparlamente. "An deren planmäßiger Bildung und Konstituierung bis zum Sommer wird aus heutiger Sicht festgehalten", sagt die Sprecherin.

Zu große Änderungen sind nicht zu erwarten, weitgehend bleibt das Bild der Machtverhältnisse gleich: Bei den diesjährigen WKÖ-Wahlen gaben fast 70 Prozent ihre Stimme dem ÖVP-nahen Österreichischen Wirtschaftsbund (ÖWB), gut zehn Prozent stimmten für den Sozialdemokratischen Wirtschaftsverband, auf den österreichweiten dritten Platz kam die Grüne Wirtschaft mit 9,5 Prozent der Stimmen (Details siehe Grafiken oben). Die Wahlbeteiligung ist von 38,9 auf 33,7 Prozent stark gesunken. Wahlberechtigt waren 692.877 Mitglieder. (eml)