Die Aktienmärkte konnten sich im April vom Schock der Coronakrise etwas erholen. Dennoch sind viele Anleger angesichts der Pandemie mittel- und langfristig verunsichert, konstatiert Benjamin Melman, Chefanlagestratege bei Edmond de Rothschild Asset Management (EdRAM) in einer aktuellen Marktanalyse. Schließlich kann jederzeit eine zweite Infektionswelle anrollen. Medizinisch ist Deutschland im internationalen Vergleich besonders gut aufgestellt: "Mit Ausnahme von Deutschland produziert kein westlicher Staat ausreichend Tests, um infizierte Personen in Quarantäne schicken zu können", sagt Melman. 

Auch wirtschaftlich dürfte die Bundesrepublik im Vergleich zu anderen europäischen Ländern geschmeidiger durch die Krise kommen. "Die für die Euro-Staaten vorliegenden Daten deuten darauf hin, dass Deutschland von der Krise weniger stark getroffen wird als seine Partner – was die Schere der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der verschiedenen Länder noch weiter auseinanderklaffen lässt", erklärt Melman. Staaten wie Italien, Frankreich oder Europa müssen sich nämlich stark verschulden und werden deshalb geschwächt aus der Pandemie hervorgehen, so seine Prognose.

Vorsicht ist geboten
Angesichts all dieser Unwägbarkeiten rät Melman Anlegern zur Vorsicht. Edmond de Rothschild Asset Management hat den Anteil europäischer sowie globaler Aktien in seinen Portfolios untergewichtet. Bei Anleihen empfiehlt der Anlageprofi eine selektive Auswahl. "Zur Risikobegrenzung innerhalb unserer Portfolios unterziehen wir die Bilanzen der Unternehmen regelmäßigen Stresstest-Simulationen", sagt Melman. Einige Unternehmen dürften die die Krise nicht überstehen, andere nur hoch verschuldet. (fp)