Die Europäische Union (EU) hat sich als stabiler erwiesen als von vielen erwartet, sagt Philippe Uzan, Chief Investment Officer bei Edmond de Rothschild Asset Management (EdRAM). Zwar habe die Eurokrise zahlreiche Skeptiker auf den Plan gerufen, die schon das Ende des europäischen Projekts erwartet hatten. Aber: "Die EU wirkt heute selbst wie ein Anker der Stabilität", so Uzan. 

Im Jahr 2015 konnte die Wirtschaft der Eurozone zunächst um 1,9 Prozent wachsen, 2016 dann um 1,7 Prozent. Für dieses Jahr erwarten die EdRAM-Analysten ein Wachstum von 1,7 Prozent, im Jahr 2018 soll es dann um 1,8 Prozent aufwärts gehen. "Manche Frühindikatoren zeigen bereits klar nach oben. Die EU ist der größte Exporteur der Welt und profitiert von der wirtschaftlichen Erholung der Schwellenländer", sagt Uzan. Griechenland und Italien wackelten zwar noch immer. Mit Irland, Spanien und Portugal könnten jedoch drei Krisenländer auf strukturelle Verbesserungen verweisen.

EU muss sich neu erfinden
Die EU ist also besser als viele denken. Trotzdem muss sie sich neu erfinden, sagt Uzan: "Sechzig Jahre europäischer Integration haben den Bewohnern des alten Kontinents viel gebracht, die Erfolge der EU lassen sich jedoch weder einfach noch konkret darstellen."

In den kommenden Monaten sei die Union daher vor allem auf eine politische Initiative angewiesen. Deren Erfolg werde allerdings davon abhängen, ob sie spürbar effizienter wird und die Sorgen ihrer Bürger ernst nimmt. "Mit konkreten Erfolgen kann die Union verlorenes Vertrauen zurückgewinnen", erwartet der CIO. (fp)