Noch immer sind viele Staaten hoch verschuldet. Trotzdem wollen immer mehr Länder der Sparpolitik den Rücken kehren und auf eine aktivere Fiskalpolitik setzen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Das Bedürfnis nach staatlichen Investitionen ist groß. Der Kurswechsel birgt allerdings Risiken, warnt Philippe Uzan, CIO bei Edmond de Rothschild Asset Management. Viel hängt davon ab, wie rasch sich der neue Haushaltsansatz verbreitet und wie stark die Geldpolitik auf die Bremse tritt.

Die ohnehin hohen Schuldenberge der Staaten könnten weiter wachsen. Der Schuldenstand vieler Länder ist nicht weit von hundert Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entfernt oder liegt sogar darüber. "Allerdings ist dieser Schuldenstand weniger relevant als das Verhältnis von Schuldendienstzahlungen zum BIP", sagt Uzan. "Und diese Kennzahl ist in allen Industrieländern deutlich zurückgegangen." In den USA liegt sie bei unter drei Prozent des BIP, in der Eurozone bei weniger als zwei Prozent.

Die Inflation, dein Freund und Helfer
Es lässt sich schwer vorhersagen, wie sich die Preise entwickeln, wenn das Wachstum auf Touren kommt. Trotz rückläufiger Inflation gab es in den vergangenen Jahren gelegentlich Preiserhöhungen. In den USA sind die Löhne und Gehälter zuletzt moderat gestiegen, und der Preisauftrieb ist nicht mehr weit vom Inflationsziel der US-Notenbank Fed entfernt. "Wenn die Inflation die Zinssätze in die Höhe treibt, ohne dass Druck auf die realen Zinssätze entsteht, wird der Schuldenstand, der auf Veränderungen der nominalen Wachstumsrate reagiert, zurückgehen", erklärt Uzan. (fp)